Ist Google genauso bedrohlich für die Privatsphäre der US-Bürger wie die amerikanischen Geheimdienste oder sogar noch gefährlicher? Ausgesprochen empfindlich reagiert Google-Chef Larry Page auf die Behauptung des Whistleblowers Edward Snowden, der Internet-Konzern habe im großen Stil mit dem US-Geheimdienst NSA zusammengearbeitet. "Direkten" Zugriff auf Googles Server habe es nie gegeben, behauptet Page.
Ein Blick auf das Geschäftsmodell von Google, Facebook und anderen Internet-Giganten macht deutlich, warum diese Konzerne besonders sensibel auf die öffentliche Debatte über die massive "Daten-Ernte" in den USA reagieren. Auch manche Unternehmen sammeln gigantische Mengen persönlicher Daten und geben die Nutzerprofile an Firmen weiter, die dann User mit individuell zugeschnittener Werbung ansprechen. Ganze Industrien leben von der Weiterverarbeitung dieser Daten.
Wer zu den fast 50 Millionen amerikanischen Gmail-Kunden des Google-Konzerns gehört, hat es wahrscheinlich erlebt: Man bittet einen Freund per Mail bei der Autoreparatur zu helfen und kurze Zeit später erscheint eine Ford-Anzeige am Rand der E-Mail-Seite. Wer "Google Now" nutzt, hinterlässt eine Spur, die genau nachzeichnet, wann man sich wo an einem bestimmten Tag aufgehalten hat. Das weltgrößte Online-Kaufhaus Amazon wertet frühere Einkäufe aus und schlägt seinen Kunden dann die nächste Bestellung vor. In mehreren Gerichtsverfahren wurde Facebook vorgeworfen, Daten von Nutzern auch außerhalb des sozialen Netzwerks gespeichert zu haben.
Schon vor Jahren sagte der damalige Google-Chef Eric Schmidt in einem Interview, Ziel des Konzerns sei es, den Alltag der User mit Hilfe der diversen Google-Dienste zu organisieren. Kurz vor Bekanntwerden des NSA-Überwachungsprogramms "PRISM", schwärmte Schmidt von der "künstlichen Intelligenz", die mit Google zur Realität werden könne. Er wünsche sich ein Telefon, das erkennt, was er gerade wissen möchte.
Um diesem Ziel ein gutes Stück näher zu kommen, kaufte Google vergangene Woche das israelische Start-Up-Unternehmen Waze und legte dafür eine runde Milliarde US-Dollar auf den Tisch. Waze ist eine Navigationsapp, die wie ein soziales Netzwerk funktioniert und Verkehrsmeldungen in Echtzeit zur Verfügung stellt. Vorraussetzung dafür: GPS-Signale und Eingaben der weltweit 47 Millionen Waze-Nutzer.
Der amerikanische Marktforscher Scott Cleland antwortet auf die Frage, wer mehr persönliche Daten von US-Bürgern sammle, der mächtige US-Geheimdienst NSA oder Google, ohne jedes Zögern: "Natürlich Google! Wenn die Amerikaner wüssten, dass Google praktisch jede Bewegung und jeden Kontakt seiner User speichert, würden sie ausrasten."
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