jueves, 22 de agosto de 2013

Politiker überschätzen Facebook - DIE WELT

Social Media ist das Schlagwort der Stunde. Modern ist, wer twittert und seinen Freundeskreis über Facebook pflegt – so jedenfalls die Narrative. Und die hat sich auch in der politischen Kommunikation herumgesprochen. Der Obama-Wahlkampf von 2008 wird dabei oft als Vorbild zitiert. Der Erfolg seiner Kampagne wird vor allem mit dem Einsatz von Social Media zur Wählermobilisierung in Verbindung gebracht. "Online-Kampagnen entscheiden die Bundestagswahl", verkündete der Branchenverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) im Mai 2013.

Das Digitalprojekt "wahllos.de" der Axel Springer Akademie wollte wissen: Spielt Social Media tatsächlich auch in Deutschland eine so große Rolle im Wahlkampf? Können durch den Einsatz moderner Medien Wähler oder gar Nichtwähler mobilisiert werden? Infratest Dimap hat im Auftrag von "wahllos.de" in einer Kooperation mit der Initiative ProDialog insgesamt 1234 Wahlberechtigte befragt – darunter 483 Nichtwähler oder Unentschlossene. Das Ergebnis zeigt, wie wenig Relevanz soziale Netzwerke für eine gezielte politische Ansprache haben: Mehr als die Hälfte der Befragten (61 Prozent) gaben an, dass sie soziale Medien oder sogar das ganze Internet überhaupt nicht nutzen. Für die einzelnen Politiker lohnen sich Aktivitäten auf Facebook oder Twitter kaum. Angela Merkel erreicht dort gerade einmal fünf Prozent der Wahlberechtigten. Andere Spitzenpolitiker von Peer Steinbrück (3 Prozent) über Horst Seehofer bis hin zu Jürgen Trittin (je 1 Prozent) schneiden sogar noch schlechter ab.

Nach wie vor sind die klassischen Medien, also Fernsehen, Zeitungen und Radio, die beliebtesten Kanäle, um Bürger mit politischen Inhalten anzusprechen. So gaben 70 Prozent der Teilnehmer an, dass sie von Parteien oder Politikern übers Fernsehen angesprochen werden möchten, dicht gefolgt von Zeitungen (65 Prozent) und Radio (54 Prozent). Die sozialen Medien wie Facebook oder Twitter liegen deutlich dahinter: Auf diesen digitalen Wegen wollen nur 19 Prozent der Bevölkerung informiert werden. Sogar Wahlkampfstände auf der Straße (35 Prozent) und direkte Anschreiben per Post (25 Prozent) sind beliebter. Auch die These, dass Politiker über Social Media wieder frustrierte Nichtwähler erreichen können, lässt sich nach dieser Studie nicht halten. Nur 12 Prozent der Nichtwähler/Unentschlossenen würden sich durch eine stärkere Diskussion mit Volksvertretern im Netz wieder mehr für Politik interessieren. Social Media gilt als junges Medium. Tatsächlich weisen die Umfrageergebnisse für die Altersgruppe von 18 bis 29 Jahren höhere Werte aus – aber auch nicht in der erwarteten Dimension: Bei den Jungen will die Mehrheit (68 Prozent) übers Fernsehen informiert werden. Die sozialen Medien werden in dieser Altersgruppe von 41 Prozent genannt (bei möglichen Mehrfachnennungen). Social Media ist also hauptsächlich ein Instrument für die junge Zielgruppe, was wichtig ist, weil es besonders unter Erstwählern eine hohe Nichtwählerquote gibt. Und genau auch bei den Jüngeren würde eine stärkere Diskussion mit Politikern via Social Media das Interesse an Politik steigern. Das schafft kein anderes Medium und spricht für das Potential von Social Media. Ältere Wähler hingegen liegen außerhalb der Zielgruppe, die sich über Social Media im Bezug auf politische Inhalte erreichen lässt.

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