domingo, 25 de agosto de 2013

Wie Microsoft versucht, sich in die Zukunft zu retten - DIE WELT

Microsoft-Chef Steve Ballmer hat überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Innerhalb der nächsten zwölf Monate will der US-Software-Gigant einen Nachfolger für den langjährigen CEO finden, bis dahin wird Ballmer weiter die Geschäfte führen.

Microsoft und Ballmer waren in den vergangenen Monaten unter Druck geraten, nachdem sowohl die neue Windows-Version Nummer 8 als auch Microsofts Vorstoß als Hardwarehersteller mit den Surface-Tablets am Markt nicht den gewünschten Erfolg hatten.

Dementsprechend euphorisch reagierten die Anleger: Microsofts Aktien gewannen zweitweise zehn Prozent an Wert. Ballmer führte über 13 Jahre lang die Geschicke des Konzerns – seit er im Jahr 2000 das Ruder von Microsoft-Gründer Bill Gates übernahm, hat die Aktie mehr als 40 Prozent ihres Kurswertes verloren.

Dennoch trifft der Rücktritt den Konzern relativ unvorbereitet in einer Phase des Umbaus: Microsoft hat bislang keinerlei Nachfolgeregelung getroffen, und muss deshalb nun per Komitee und in Zusammenarbeit mit der Recruiting-Firma Heidrick & Struggles eiligst einen Erben für den 57-Jährigen Veteranen suchen.

Augenscheinlich hatte auch Ballmer selbst ursprünglich einen späteren Rückzug geplant: "Es gibt nie eine perfekte Zeit für einen solchen Übergang, aber jetzt ist die richtige Zeit", kommentierte Ballmer selbst etwas verklausuliert in der Mitteilung zu seinem Rücktritt, "ursprünglich dachte ich, dass mein Rücktritt inmitten des Wandels des Konzerns hin zum Geräte- und Services-Anbieter stattfindet. Wir brauchen nun einen Chef, der diese neue Richtung langfristig steuert."

Ballmer-Freund Bill Gates, der als Aufsichtsratsvorsitzender nun die Nachfolge absegnen muss, kommentierte, er werde persönlich bei der Suche eines "großartigen neuen CEO" für die Firma helfen. Der oder Die muss dann da weitermachen, wo Ballmer seit zwei Jahren vergeblich gegen den Umsatzschwund kämpft: Ballmer hatte gezwungenermaßen den Strategiewechsel des Konzerns angestoßen, nachdem er sich zu lange dem Trend hin zu mobilen Geräten verschlossen hatte.

Veränderungen verschlafen

Aufgrund dessen verpasste der Konzern Mitte des vergangenen Jahrzehnts fast komplett die mobile Revolution. Angesichts des überwältigenden Erfolgs von Googles Umsonst-Betriebsssystem Android im Mobil-Markt verlor Microsofts klassisches Geschäftsmodell auf Basis des Verkaufs von Windows und dazu passender Software zusehends Umsatz.

Der Umstieg auf ein mobilkompatibles Betriebssystem samt der wichtigsten Zusätze wie AppStore, Serviceangeboten und Cloud-Speicherplatz kam Jahre zu spät. Ballmers Zögern rächt sich nun, im Mobilmarkt ist Microsoft aktuell nur Dritter hinter Apple und Google.

Das Touch-Betriebssystem Windows 8 wurde zu spät entwickelt, kam erst 2012 auf den Markt, und kam bei den Kunden so schlecht an, dass Microsoft nun bereits im Herbst die Folgeversion 8.1 herausbringt.

Speziell die umsatzstarken Firmenkunden zögern, ihren PC-Bestand auf Windows 8 hochzurüsten, bleiben bei Version 7 – und tragen so zum Einbruch auf dem PC-Markt bei. Im Mai verkauften die Hersteller im Jahresvergleich laut aktueller Zahlen der Marktforscher von IDC insgesamt 18 Prozent weniger Geräte.

Erwartungen enttäuscht

"Services und Geräte" heißt angesichts dessen seit Ende 2012 das neue Mantra in Redmond, Ballmer setzt auf Abonnements für Cloud-Services wie die Internet-Version der hauseigenen Büro-Software "Office 365", und auf die Tablets der Surface-Serie, mit denen der Konzern im vergangenen Jahr erstmals selbst als PC-Hersteller auftrat.

Während die Cloud-Services bei den Kunden viel Anklang finden, enttäuscht Surface bislang alle Erwartungen. Speziell die kleinere Tablet-Variante Surface RT liegt wie Blei in den Lagern, das gab Ballmer selbst erst Ende Juli auf einer Infoveranstaltung am Firmensitz in Seattle zu: "Wir bauen ein paar Tablets mehr als wir verkaufen", kommentierte er trocken den Misserfolg.

Allein im zweiten Quartal verbuchte Microsoft 900 Millionen Dollar Verlust mit den Geräten. Die Windows-RT-Plattform ist aufgrund ihrer späten Geburt gegenüber Android klar im Hintertreffen: In ihrem AppStore fehlen viele populäre Tablet-Programme.

RT ist zum Stiefkind-Dasein verdammt

Da Microsoft keine Kompatibilität zwischen Windows 8- und Windows RT-Software garantiert, ist RT zum Stiefkind-Dasein verdammt. Im Juli hatte Ballmer angesichts der Flops Windows 8 und Surface seine Führungsmannschaft umgebaut, und den gesamten Konzern neu in Funktionsbereiche eingeteilt.

Wo bislang einzelne Abteilungen nach Produkten geordnet relativ unabhängig voneinander vor sich hin werkeln durften, will Ballmer Zusammenarbeit erzwingen. Der Radikalumbau war Ballmers letzter Versuch, die Dominanz der Software-Teams zu brechen, und die Ansage der "Geräte und Services" mit Leben zu füllen.

Sein Rücktritt ist in diesem Umbauprozess der logische nächste Schritt. Diverse aktive Großinvestoren, etwa der US-Investor ValueAct, hatten bereits angekündigt, angesichts der verfehlten Gewinnerwartungen des vergangen Quartals im Herbst Druck auf Ballmer ausüben zu wollen. Dem kam er nun zuvor.

"Microsoft hat seine besten Tage vor sich"

In seiner Erklärung an die Belegschaft äußerte Ballmer Zuversicht: "Dies ist ein bewegender und schwieriger Schritt für mich. Ich tue diesen Schritt im besten Interesse der Firma, die ich liebe. Microsoft hat seine besten Tage vor sich." Ob Ballmers Nachfolger den Umbau erfolgreich zu Ende führen kann, wird nun auch davon abhängen, wie Ballmer seine letzten Monate als Microsoft-Chef nutzt: Noch ist die Firma mitten in der Transforamtion, muss diverse neue Topmanager auf Spitzenposten einarbeiten, und kann sich keinen vacanten oder halbherzig ausgefüllten Chefsessel leisten.

Wie Ballmer nach Microsoft seine Zeit verbringen will, dazu sagte er in seinem Abschiedsbrief an die Belegschaft noch nichts. Doch am Hungertuch nagen muss er definitiv nicht: Ballmer besitzt laiut den US-Analysten von SPCapital 333 Millionen Microsoft-Aktien, und verdient allein dank des durch den eigenen Rücktritt ausgelösten Kursanstiegs 840 Millionen Dollar.

"Es gibt nie eine perfekte Zeit für einen solchen Übergang, aber jetzt ist die richtige Zeit. (...) Ich liebe diese Firma.

Ich liebe es, dass wir geholfen haben, Computernutzung und PCs zu erfinden und zu verbreiten. Ich liebe es, dass wir große und waghalsige Wetten eingehen. (…)

Ich liebe es, dass wir andere Firmen umarmen und mit ihnen zusammenarbeiten, um gemeinsam Erfolg zu haben und die Welt zu verändern. (…)"

"Ich bin stolz auf das, was wir erreicht haben. Unser Umsatz ist von 7,5 Millionen Dollar auf fast 78 Milliarden Dollar gestiegen, seit ich bei Microsoft angefangen habe, und wir sind von gerade einmal 30 Mitarbeitern auf fast 100.000 gewachsen.

Ich fühle mich gut dabei, dass ich eine Rolle bei diesem Erfolg gespielt und mich emotional stets zu 100 Prozent eingebracht habe. (…)"

"Dies ist ein bewegender und schwieriger Schritt für mich. Ich tue diesen Schritt im besten Interesse der Firma, die ich liebe;

denn sie ist außer meiner Familie und meinen engen Freunden das, was mir am wichtigsten ist. Microsoft hat seine besten Tage vor sich. (…)"

Quelle: dpa

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