Apple legt sich mächtig ins Zeug, um bei Kartendiensten zum großen Rivalen Google aufzuschließen. Binnen weniger Wochen wurde der Kauf schon der dritten Firma bekannt, deren Dienst die Apple-Karten verbessern soll. Das kalifornische Start-up Embark entwickelt kostenlose Apps mit Fahrplänen für den öffentlichen Nahverkehr in US-Städten.
Erst vor kurzem war bereits der Kauf des ähnlichen Start-ups HopStop bekannt geworden. Außerdem schluckte Apple jüngst den Dienst Locationary, der hilft, Geschäfte in der Nähe zu finden. Es könnten auch noch mehr Zukäufe gewesen sein: Apple hält solche kleineren Übernahmen meist so lange es geht geheim. Auch jetzt bestätigte der Konzern den Kauf von Embark erst, nachdem am Donnerstag die Technologie-Journalistin Jessica Lessin darüber berichtet hatte.
Apples eigener Kartendienst für iPhone und iPad war im vergangenen Herbst mit einem Debakel gestartet. Nutzer beschwerten sich unter anderem über Fehler, einen Mangel an Details sowie verzerrte 3D-Ansichten. Konzernchef Tim Cook musste sich bei den Kunden entschuldigen und die Nutzung von Konkurrenzdiensten empfehlen, der jahrelang für mobile Software zuständige Manager Scott Forstall trat wenig später ab.
Seitdem arbeitet Apple daran, den Kartendienst zu verbessern. Neben Zukäufen wurden auch Luftaufnahmen gemacht und Teams rausgeschickt, die das Terrain vor Ort erkunden. Im Herbst steht mit dem Start der Karten für Mac-Computer der nächste Ausbauschritt an.
Auch der Konkurrent Google entwickelt sein bereits führendes Angebot jedoch immer weiter und hat zum Beispiel schon länger Routen-Anweisungen für öffentliche Verkehrsmittel im Angebot. Insbesondere mit dem Vormarsch der Smartphones gelten Karten als ein zentrales Element, um das andere Dienste gebündelt werden können. So verwirklicht Google die Vision, die Karten mit allen seinen Angeboten zu verbinden und sie mit Bezug auf den Aufenthaltsort der Nutzer anzupassen. Ein weiterer starker Rivale ist Nokia mit seinem Kartendienst "Here", der unter anderem auf Smartphones mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone zum Einsatz kommt.
Für Tim Cook ist die Verbesserung des Kartendienstes entscheidend. Nach dem verpatzten Start im vergangenen Herbst wurde die Kritik an dem Konzernlenker lauter. Ein Jahr zuvor, als Cook die Apple-Spitze vom todkranken Gründer Steve Jobs übernahm, war das Vertrauen der Investoren noch ungebrochen. Apple kitzelte die Fantasie der Börse mit Milliarden-Gewinnen, Beobachter malten sich ein stetes Feuerwerk von Innovationen aus, die immer weitere Branchen umkrempeln. Diese Euphorie ist einer Atmosphäre von Ernüchterung gewichen. Apple wird vorgeworfen, nur Fortentwicklungen bisheriger Geräte herauszubringen. Die Aktie ist weit von ihren Rekordständen entfernt und es ist immer noch kein Apple-Fernseher auf dem Markt. Der US-Fernsehsender Fox News berichtete jüngst, der Apple-Verwaltungsrat wolle von Cook mehr Innovationen sehen. In dieser Stimmung wird der 52-Jährige bald das wohl wichtigste Produkt seiner Karriere auf den Markt bringen: Das neue Betriebssystem iOS 7 für iPhone und iPad. Es dürfte das erste Aushängeschild der Ära nach Steve Jobs werden. Doch im Gegensatz zu seinem Vorgänger und Übervater hat Cook nicht selbst alle Details persönlich festgelegt. Der neue Chef delegiere mehr, heißt es in Cupertino.
Cook ist unverkennbar anders als sein Ziehvater Jobs und hat Apple in den zwei Jahren an der Spitze verändert. Zum einen sorgte er für mehr Transparenz. Apple veröffentlichte erstmals eine Liste seiner Zulieferer und trat als erster Elektronik-Riese einer unabhängigen Organisation bei, die eigene Kontrollen in chinesischen Fabriken durchführt. Im Gegensatz zu Jobs ging Cook auf Investoren zu und teilt mit ihnen Apples Milliardenschatz über Dividenden und Aktienrückkäufe im Gesamtvolumen von 100 Milliarden Dollar. Damit öffnete er einen Türspalt: Aktionäre wie der berüchtigte Finanzhai Carl Icahn wollen immer noch mehr.
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