jueves, 25 de octubre de 2012

Die Schwachen in Deutschland holen auf - DIE WELT

DIW-Berechnung zeigt, dass der boomende Arbeitsmarkt die Einkommen im unteren Bereich spürbar steigen lässt

Die gute Arbeitsmarktentwicklung der vergangenen Jahre hat die Ungleichheit bei den Einkommen in Deutschland erstmals seit langer Zeit wieder schrumpfen lassen. Das geht aus neuen Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. "Von 2005 an hat im Zuge der konjunkturellen Besserung und der damit einhergehenden Aufhellung der Lage auf dem Arbeitsmarkt die Einkommensungleichheit in Deutschland abgenommen", heißt es in dem am heutigen Donnerstag erscheinenden Wochenbericht des DIW, der der "Welt" vorliegt.

Das Institut hat dazu die Daten vom "Sozio-oekonomischen Panel" (SOEP), einer regelmäßigen Befragung von Haushalten, genutzt. Die neuesten, 2011 erhobenen Daten beziehen sich auf das Jahr 2010.

In den vergangenen Jahren war die gesellschaftliche und politische Debatte stark von der wachsenden Ungleichverteilung der Einkommen geprägt. Auch das Berliner DIW hatte in Untersuchungen immer wieder festgestellt, dass die Schere in Deutschland auseinandergeht. Die nun konstatierte Gegenbewegung hat die vorangegangene Entwicklung allerdings nicht gleich wieder rückgängig gemacht. "Wir kommen schließlich von einem historischen Höchstwert bei der Ungleichheit, der 2005 erreicht wurde", sagt Markus Grabka, der die Studie zusammen mit seinen DIW-Kollegen Jürgen Schupp und Jan Goebel verfasst hat. Nun gebe es aber eine Bewegung in die andere Richtung. Vieles spreche nach ersten Datenerhebungen dafür, dass sich die Ungleichheit 2011 weiter verringern dürfte, sagt Grabka. Die Ergebnisse der Studie legten nahe, "dass es den wirtschaftlichen Akteuren nach der Finanzkrise in der ökonomischen Erholungsphase gelungen ist, die zunehmende Ungleichheit der Einkommensverteilung abzubremsen", urteilen die Forscher in dem Bericht.

Die Angleichung lässt sich besonders deutlich an den realen Markteinkommen ablesen – diese beinhalten die Summe aus Kapital- und Erwerbseinkommen einschließlich privater Transfers und privater Renten. In Westdeutschland stiegen die Markteinkommen von 2005 bis 2010 um knapp 1000 Euro oder vier Prozent. Im Osten, wo die Arbeitslosigkeit noch stärker zurückging, war der Einkommenszuwachs laut dem DIW mit knapp 2900 Euro oder 20 Prozent noch kräftiger.

Grund war die Trendwende auf dem Arbeitsmarkt: Zwischen 2005 und 2011 wurden 2,2 Millionen sozialversicherungspflichtige Stellen geschaffen. "Das war ausschlaggebend dafür, die Ungleichheit zu mindern", sagt Grabka. Der "Gini-Koeffizient", ein statistisches Maß für Ungleichheit, ist im Osten bei den Markteinkommen zwischen 2005 und 2010 um knapp neun Prozent gesunken, im Westen waren es drei Prozent.

Blickt man nicht auf die Markteinkommen, sondern auf die tatsächlich verfügbaren Einkommen, die auch Bezüge aus gesetzlichen Renten und Pensionen sowie Sozialtransfers beinhalten und bei denen Steuern und Abgaben schon abgezogen sind, ist die Entwicklung etwas gemischter. Dann ist die Ungleichheit in Westdeutschland zwar ebenfalls zurückgegangen (um vier Prozent), in Ostdeutschland aber ist sie unverändert geblieben. Das hängt damit zusammen, dass in Ostdeutschland trotz der guten Arbeitsmarktentwicklung weiterhin viele Menschen stagnierende oder sogar sinkende Einkommen als Arbeitslose oder Rentner beziehen. Die positive Entwicklung bei den Realeinkommen sei davon "mehr als kompensiert worden", heißt es in dem Bericht.

Einkommenszuwächse haben vor allem die unteren Einkommensklassen verbucht. Zwischen 2009 und 2010 etwa konnten die unteren 40 Prozent der Bevölkerung ihr verfügbares Einkommen real um etwa zwei Prozent und damit überdurchschnittlich steigern. Hauptgrund waren teilweise kräftige Lohnsteigerungen, die die Gewerkschaften 2010 aushandeln konnten. Die mittleren und oberen Einkommen stagnierten dagegen im Jahr 2010 – vor allem wegen eine Rückgangs der Einkommen aus Vermögen.

Allerdings haben die Einkommenszuwächse am unteren Ende nach Angaben des DIW nicht zu einer Verringerung der Armutsquote geführt. Sie blieb zwischen 2005 und 2010 im Westen mit ungefähr 14 Prozent und im Osten Deutschlands mit rund 19 Prozent auf dem gleichen Niveau. Als armutsgefährdet gilt hierbei, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Haushaltsnettoeinkommens der Gesamtbevölkerung verfügt. Bei der SOEP-Stichprobe lag diese Schwelle bei 990 Euro pro Monat. Dass das Armutsrisiko nicht parallel zur Einkommenssteigerung im unteren Bereich abgenommen hat, erklären die Wissenschaftler unter anderem mit der hohen Anzahl ostdeutscher Neurentner mit sinkenden Einkommen. Auch niedrige Löhne spielten eine Rolle. Oft hieve einen der Job nicht unbedingt über die Armutsrisikogrenze.

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