"Tatort Stuttgart", "Fritz Kuhn Oberbrgermeister" und "Bombenanschlag Syrien" sind Suchanfragen, die bei Google am Montag ungewhnlich oft eingegeben wurden, zumindest nach Googles eigenen Angaben. Auf der ersten Trefferseite verweist die Suchmaschine ihre Nutzern vor allem auf Artikel von groen Nachrichtenseiten. Zum Beispiel von sueddeutsche.de, taz.de und auch von SPIEGEL ONLINE.
Die Nutzer wollen aktuelle Informationen und wissen: Google wird sie schon auf die richtige Seite schicken. Ohne die Artikel der Nachrichtenseiten wrde die Trefferliste der Google-Suche in vielen Fllen ziemlich leer aussehen (siehe Fotostrecke).
Google, knnte man argumentieren, braucht die Inhalte der Verlage fr seine Suchmaschine. Auch wenn die nur einen kleinen Teil der erfassten Links ausmachen sollen. Eine Google nahestehende Agentur kommt in einer groen Stichprobe auf 7,5 Prozent. Im Umfeld dieser Links werden bei Google demnach auch nur wenige Anzeigen geschaltet. Direkt verdient das Unternehmen offenbar nicht besonders gut mit den Verlagstreffern.
Die Verlage, knnte man argumentieren, profitieren von den Besuchern, die von Google zu ihren Seiten geschickt werden. Der Anteil dieser Besucher liegt bei einigen Nachrichtenseiten bei 20 Prozent und mehr. Mit diesen Besuchern verdienen die Verlage Geld, indem sie Anzeigen auf ihren Seiten schalten.
Leistungsschutzrecht und Google-Steuer
Mit Online-Anzeigen aber lsst sich derzeit viel weniger Geld verdienen als mit Anzeigen in gedruckten Magazinen und Zeitungen. Die Leser wiederum suchen sich ihre Nachrichten zunehmend mit Smartphone und Computer im Internet. Verlage verkaufen weniger Abonnements, die Auflagen vieler gedruckter Zeitungen und Magazine sinken seit Jahren. Die groen Redaktionen vieler Printtitel lassen sich mit den Einahmen aus Online-Werbung nicht finanzieren.
Im vergangenen Jahr wurden weltweit rund 384 Milliarden Euro fr Werbung ausgegeben, haben die Marktforscher von ZenithOptimedia berechnet. Rund 30 Prozent davon entfielen auf Zeitschriften und Zeitungen, knapp 18 Prozent auf das Internet. In zwei Jahren knnte dieser Anteil bei 21,5 Prozent liegen, whrend die Werbeausgaben bei Printprodukten weiter zurckgehen.
Stolze 44 Prozent der Ausgaben fr Online-Werbung landeten 2011 allein bei Google. Um die Emotionalitt zu verstehen, mit der gerade alteingesessene Medienmanager an der Debatte teilnehmen, sind diese Zahlen wichtig: Der Emporkmmling, dessen Geschftsmodell es vor ein paar Jahren noch gar nicht gab, nimmt pltzlich fast die Hlfte aller Online-Werbegelder ein.
Im vergangenen Jahr hat der Suchmaschinenkonzern umgerechnet rund 7,5 Milliarden Euro Gewinn gemacht. Das weckt Begehrlichkeiten.
Nicht nur in Deutschland, wo einige Verlage und Politiker ein umstrittenes "Leistungsschutzrecht" einfhren und Google zur Kasse bitten wollen. Google hat bereits deutlich angekndigt, man werde dabei nicht mitspielen. Deutschland ist nicht das einzige Land, in dem dieser Streit tobt.
Brasilien: Zeitungen verzichten auf Google News
In Brasilien hat der Verband der Zeitungsverleger dazu aufgerufen, zumindest Google News den Rcken zu kehren. Die brasilianischen Zeitungen hatten mit Google abgemacht, dass nur berschriften und ein Satz eines Artikels auf Google News angezeigt wurden. Google News sammelt und sortiert aktuelle Artikel, in die Trefferliste der normalen Google-Suchen werden diese Artikel oft prominent eingeblendet.
Wer Google News aufruft, bekommt eine umfassende, vorsortierte Nachrichtenbersicht. Bis Artikel es als ganz normaler Treffer in die herkmmliche Google-Suche schaffen, dauert es mittlerweile nur noch ein paar Stunden. Nun klagt der Verband, Google News bringe nicht mehr Besucher auf die Nachrichtenseiten. Weil Google auch nicht ber eine Vergtung der Verlage fr sein News-Angebot reden wolle, htten sich 154 Zeitungen von Google News verabschiedet - aber nicht aus der allgemeinen Suche.
Frankreich: Google droht der Politik
In Frankreich wird Google die Nachrichtenangebote der dortigen Verlage womglich selbst aus dem Suchindex entfernen. Damit jedenfalls droht der Konzern fr den Fall, dass in dem Land eine Suchmaschinensteuer verabschiedet wird. Ein Gesetz, nach dem immer dann eine Gebhr fllig werden soll, wenn bei einer Suche Nachrichtenartikel angezeigt werden, wird dort diskutiert.
Die Google-Drohung nahm die franzsische Kulturministerin Aurelie Filippetti zum Anlass, die Bedeutung eines solchen Gesetzes noch einmal zu unterstreichen. An den Konzern gerichtet erklrte sie auerdem: "Man droht einer demokratisch gewhlten Regierung nicht einfach."
Belgien: Verlage bitten Google um Suchtreffer
Was passiert, wenn man Google droht, kann man in Belgien sehen. Dort hatte die Verwertungsgesellschaft Copiepresse sich erfolgreich gegen den Konzern und die Einfhrung von Google News zur Wehr gesetzt. Vor Gericht erstritt Copiepresse, dass auf Google News nicht lnger Textanrisse und Vorschaubilder angezeigt werden drfen. Ein Gericht hatte 2011 eine Strafe in Hhe von 25.000 Euro fr jeden Versto bestimmt.
Google aber entfernte die belgischen Zeitungen nicht nur aus Google News, sondern - angeblich sicherheitshalber - gleich aus dem gesamten Googleindex. Der Boykott dauerte drei Tage, die Verlage waren entsetzt. Schnell traf man eine Vereinbarung mit Google, nach der nun wieder Artikel gesucht und gefunden werden knnen.
Entweder, die Verlage spielen nach Googles Spielregeln - oder sie werden nicht mehr gelistet. Bei einem Marktanteil der Suchmaschine von 90 Prozent in Deutschland haben die Verlage in Wahrheit nur dann eine Wahl, wenn sie auf 20 Prozent und mehr ihrer Besucher verzichten knnen. Dabei schreiben viele Nachrichtenseiten selbst mit Google rote Zahlen.
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