Tiefrote Zahlen und düstere Prognosen zeigen, wie sehr Japans einstige Stars ins Hintertreffen geraten sind
Die Flaute bei TV-Geräten trifft Sharp besonders hart. Das Unternehmen muss mittlerweile um seine Existenz bangen
Einst war die japanische Elektronik-Industrie für ihre Innovationskraft weltberühmt, doch die einstigen Stars werden von dem rasanten Wandel in der Branche überrollt. Sharp, Sony und Panasonic demonstrieren mit SOS-Rufen, tiefroten Quartalszahlen und düsteren Prognosen, in welchem Ausmaß sie den Anschluss an die neuen Champions Apple und Samsung verpasst haben. Am brisantesten ist die Lage bei Sharp: Der Konzern erwartet den zweiten Rekordverlust in Folge und muss um sein Überleben bangen. "Es gibt erhebliche Zweifel am Fortbestand unseres Unternehmens", warnte der Konzern. Zugleich versicherte Sharp: "Wir werden unser Geschäft weiter umbauen, um diese Umstände zu überwinden." Helfen sollen unter anderem weitere Einschnitte bei den Personalkosten und Verkäufe von Unternehmensteilen.
Die seit Monaten köchelnde Krise spitzt sich damit dramatisch zu. Der Verlust im noch bis Ende März laufenden Geschäftsjahr dürfte 450 Milliarden Yen (4,3 Milliarden Euro) erreichen, kündigte Sharp an. Grund sei vor allem die sinkende Nachfrage bei Fernsehern. Sharp ist der größte Hersteller von Flüssigkristall-Bildschirmen in Japan und wird entsprechend hart von der Flaute im TV-Geschäft getroffen. Das zweite Standbein Solar-Technik läuft derzeit ebenfalls nicht gut. Aber auch im eigentlich boomenden Markt der Smartphones und Tablets kann Sharp seine Displays bisher nicht so gut platzieren wie die Rivalen.
Der Konzern hatte zwar bereits mit Verlusten in diesem Geschäftsjahr gerechnet, sie sollten aber nur etwa halb so hoch ausfallen. Im Vorjahr hatte Sharp schon gut 376 Milliarden Yen verloren. Im ersten Geschäftshalbjahr verbuchte Sharp bereits einen Verlust von 387,6 Milliarden Yen. Das Unternehmen selbst bezeichnete die fortlaufenden Verluste als "riesig". Der Halbjahresumsatz sackte um 16 Prozent auf 1,1 Billionen Yen ab. Auf Sharp lasten zudem hohe Schulden. Ende September handelte das Unternehmen einen neuen großen Kredit aus, nun sucht Sharp nach einem Partner. Die Gespräche über einen Einstieg der taiwanischen Hon Hai Precision Industry als Sharps größter Aktionär liefen weiter, erklärte der Konzern. Experten sind aber skeptisch: "Ich glaube nicht, dass Sharp eine Zukunft hat", sagt Makoto Kikuchi, Chef von Myojo Asset Management.
Den japanischen Elektronik-Unternehmen machen vor allem die sinkenden Verkäufe von Flachbild-Fernsehern und der starke Yen zu schaffen. Das bekommt auch Sony, Hersteller der Bravia-Fernsehgeräte und der Playstation 3, zu spüren. Trotz eines Umsatzanstiegs kam der Walkman-Erfinder unter dem Strich nicht aus der Verlustzone heraus und verbuchte im zweiten Geschäftsquartal ein Minus von 15,5 Milliarden Yen (149,5 Millionen Euro). Vor Steuern und Wechselkurseffekten fiel immerhin ein kleiner Gewinn von umgerechnet 292 Millionen Euro an. Die Trennung vom Chemiegeschäft half Sony über die Nachfrageschwäche nach Fernsehern und anderen elektronischen Geräten hinweg. Eine Besserung auf diesen Märkten sieht der Konzern aber nicht er nahm seine Jahresprognosen für den Absatz an TV-Geräten und Digitalkameras zurück. Sony sieht sich jedoch weiterhin auf Kurs, im gesamten Geschäftsjahr einen Gewinn von 20 Milliarden Yen (knapp 193 Millionen Euro) einzufahren.
Das Problem der japanischen Unterhaltungsgiganten ist bekannt: "Die Bedürfnisse der Verbraucher haben sich geändert. Die japanischen Elektronikkonzerne wie Sharp haben sich auf den Erfolgen der Vergangenheit ausgeruht und wegen ihrer Größe zu lange gebraucht, um sich anzupassen", analysiert Yuuki Sakurai, Chef des Vermögensverwalters Fukoku Capital Management. Fernseher von Sharp, Videokameras von Panasonic, Walkman und Spielekonsole von Sony das waren vor Jahren fast Statussymbole. Jetzt laufen ihnen der südkoreanische Samsung-Konzern mit seinen großen, hochauflösenden Fernsehern und Smartphones sowie der US-Branchenvorreiter Apple mit iPods, iPhones und iPads den Rang ab. "Es ist leider so wir gehören zu den Verlierern in der Unterhaltungselektronik", gab Panasonic-Chef Kazuhiro Tsuga unumwunden zu. Panasonic hatte verkündet, wegen milliardenschwerer Abschreibungen im Geschäftsjahr wohl einen Verlust von umgerechnet 7,4 Milliarden Euro auszuweisen.
Nun suchen die Konzerne händeringend nach einer Zukunftsperspektive. Die beste Ausgangsposition scheint Sony zu haben. Der neue Konzernchef Kazuo Hirai will mit einem rigiden Sparkurs, aber auch mit Innovationen die Kette von hohen Jahresverlusten brechen. Der Konzern sucht sein Heil zudem vermehrt im boomenden Markt für Smartphones und Tablets. "Die Märkte, auf die sich Sony konzentrieren will, haben ein hohes Risiko, aber auch hohe Ertragschancen", sagte JP-Morgan-Analyst Yoshiharu Izumi dazu. Auch Panasonic will sich umorientieren. Seine 88 Einzelsparten will der Konzern bis April auf 56 Geschäftsfelder reduzieren. In Europa stoppt der Elektronikriese den erst in diesem Jahr wieder aufgenommenen Verkauf von Smartphones. Nun will sich Panasonic unter anderem auf Haushaltsgeräte und Akkus konzentrieren.
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