domingo, 4 de noviembre de 2012

Blick in die Kristall-Google - tagesschau.de

Jahr für Jahr wird irgendwo in der Welt gewählt. Jahr für Jahr geben Wahlforscher Unsummen dafür aus, Prognosen zu machen, die am Ende dann eh nicht zutreffen. Jahr für Jahr tappen Infratest, Emnid, Gallup und Co im Dunkeln. Ein Schimpanse mit verbundenen Augen hätte vermutlich eine bessere Trefferquote. Dabei gibt es jemanden, der verlässlich weiß, wer am Dienstag die US-Wahlen gewinnen wird: Google.

Wenn Google aufgrund von Suchanfragen nach Schnupfenmedikamenten präzise eine bevorstehende Grippewelle vorhersagen kann, ist die Wahl eines Präsidenten ein Klacks! Vor allem in einem Land, in dem das Internet drauf und dran ist, dem Fernsehen den Rang als primäre Informationsquelle abzunehmen und in dem Google die Daten seiner Nutzer aufsaugt, wie hierzulande Spitzenpolitiker Redehonorare von Großkonzernen.

Seth Stevens-Davidowitz, ein Harvard-Doktorand, hat sich mal die Mühe gemacht und die Google Suchanfragen der letzten Jahre analysiert. Sein Fazit: Wähler lügen bei Wahlumfragen, dass sich die Balken biegen! Wenn Wahlforscher anrufen, gibt der Wähler gerne an, er interessiere sich für Themen wie Jobs, Bildung, Gerechtigkeit. Wenn er dann aber googelt, sucht er oft nach ganz andern Dingen: nach Skandalen, Witzen, sogar nach Nackt-Fotos der Kandidaten. Es gibt neunmal mehr Suchanfragen zu "Paul Ryan shirtless" (Paul Ryan ohne Hemd) als zu den Haushaltsplänen des Vize-Kandidaten.

"Google lügt nicht", sagt der Harvard-Schüler. Wenn sich ein Mensch unbeobachtet fühlt, zeigt er oft sein wahres Gesicht. Als der Republikaner John McCain im Jahr 2008 Sarah Palin als Kandidatin für das Amt der Vize-Präsidentin bekannt gab, verzeichnete Google einen abrupten Anstieg an Suchanfragen bezüglich seiner Lebenserwartung. Ein weiteres Indiz für die Überlegenheit von Google: Die Suche nach Obama- bzw. nach McCain-Witzen im Vorfeld der Wahlen reflektierte präzise das spätere Ergebnis der heiß-umkämpften Swing-States. Je mehr Witze in einer Region über einen der beiden Kandidaten abgerufen wurden, umso deutlicher fiel der Sieg für den Gegner aus.

Müssen wir Deutsche, angesichts dieser neuen Erkenntnis, umdenken? Brauchen wir für das Superwahljahr 2013 einen Witze-Index? Ich kann's kaum abwarten bis zum nächsten ARD-Deutschland-Trend, wenn wir Jörg Schönenborn sagen hören: "Kennen Sie den?"

Surftipp: Das Blog 'Beautiful Data' hat die Suchanfragen der Präsidentschaftskandidaten bei Wikipedia ausgewertet und ist dabei zu erstaunlichen Ergebnissen gekommen.

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