Der erste Eindruck ist ernchternd: Schn ist es nicht. Das Design des Nexus 10 wirkt langweilig und altbacken. Rundherum ist das Display von breiten Rndern eingefasst, die vollkommen symmetrisch zueinander sind. Wrde man das kleine Guckloch der Videochat-Kamera nicht sehen, knnte man oben und unten nicht unterscheiden. Besonders wertig wirkt es mit seinem Kunststoff-Gehuse auch nicht. Wobei die leicht aufgeraute Gummirckseite ihren Vorteil hat und das Tablet davor schtzt, zu verrutschen.
Schade. Eigentlich htte Googles Nexus 10 einen aufflligeren Look verdient. Denn ein Tablet wie dieses hat es bisher noch nicht gegeben. Zu Kampfpreisen ab 400 Euro bringt Google das Gert auf den Markt, das sich von seinen technischen Daten her nicht vor dem Top-Modell von Marktfhrer Apple verstecken muss. Das gilt vor allem fr den Bildschirm.
Das Display
Bis vor kurzem htte man es kaum fr mglich gehalten, das die Auflsung des iPad-Bildschirms in absehbarer Zeit noch bertroffen werden kann. 2048 x 1536 Pixel drngeln sich auf den 9,7 Zoll von iPad 3 und iPad 4. Damit bertrumpfte Apple nicht nur seine frheren iPad-Modelle bei weitem, sondern lie auch die Konkurrenz weit hinter sich, die meist bei 1024 x 768 oder 1280 x 800 stagnierte. Doch seine Spitzenposition muss der kalifornische Konzern jetzt abgeben. Mit 2560 x 1600 Pixeln auf 10,1 Zoll lst das Nexus 10 noch einmal deutlich feiner auf als die Retina-Displays.
Um zu verdeutlichen, wie dicht die Bildpunkte gequetscht wurden: Bis zur Einfhrung des neuen Google-Tablets war diese Auflsung Monitoren im 30-Zoll-Format vorbehalten, die von PC und Notebooks mit speziellen Grafikkarten angesteuert wurden. Whrend bei denen rund 100 Pixel pro Zoll nebeneinander stehen, sind es beim Nexus 10 dreimal so viele.
Und das kann sich sehen lassen: Schriften sind noch in sehr kleinen Buchstabengren gut lesbar, sofern die Augen das mitmachen. Normalgroe Schriften profitieren ebenfalls von der hohen Pixeldichte, weil sie gestochen scharf abgebildet werden. Die sonst bei genauer Betrachtung auf Bildschirmen sichtbaren Treppeneffekte - vor allem bei Rundungen, Schrgen und Linien - gibt es einfach nicht. Auch als E-Book-Reader, zum Beispiel mit Amazons Kindle-App, macht sich das Gert gut (siehe Bilderstrecke).
Auch Fotos und Filme sehen auf dem hochauflsenden Bildschirm besser aus als auf normalen Displays, vor allem, wenn man Videos in HD betrachtet. Auch Spiele profitieren grundstzlich von der hohen Auflsung, etwa, weil Farbbergnge schn flieend dargestellt werden knnen. Fr die neue Auflsung optimierte Games sind uns bisher aber nicht bekannt.
Die Leistung
Das Leistungsmessprogramm Geekbench lsst eigentlich keinen Zweifel zu: Das Nexus 10 ist deutlich schneller als die Konkurrenz - und auch schneller als das iPad mit Retina-Display. Whrend das Apple-Tablet mit dem neuen A6X-Prozessor in diesem Test rund 1750 Punkte einfhrt und damit gut doppelt so schnell wie sein Vorgnger ist, wird es von dem neuen Google-Rechner noch deutlich bertroffen. Mehr als 2100 Punkte werden ihm vom Geekbench zugeschrieben.
Im Alltag sprt man diese Leistung, indem man sie nicht vermisst. Filme und Videos spielt das Nexus 10 geschmeidig ab, Spiele sowieso - vor allem, wenn sie grafisch aufwendig sind. Fotos zu skalieren oder zu drehen geht ebenso einfach von der Hand, und durch E-Books kann man im Eilzugtempo scrollen. Nur der Webbrowser kam gelegentlich ein klein wenig ins Stolpern, wenn wir sehr schnell durch sehr lange Web-Seiten wischten. Aber das war leicht verschmerzbar und kaum zu spren.
Leistung also hat das Nexus 10 auf absehbare Zeit genug.
Die Ausdauer
Die Akkuleistung eines neuen Gertes innerhalb weniger Tage zu beurteilen, ist eine knifflige Aufgabe. Wie lange der Stromspeicher durchhlt, hngt zu sehr von unterschiedlichen Nutzungsszenarien ab. Wer den ganzen Tag nur 3-D-Actionspiele spielen will, muss fter zur Steckdose als jemand, der mit demselben Tablet seine E-Mails beantwortet und Nachrichten liest.
Eine grobe Einordnung ist nach einigen Tagen, an denen man sich intensiv mit der neuen Hardware beschftigt und viel ausprobiert hat, aber mglich. In unserem Test musste das Google-Tablet alle ein bis zwei Tage ans Netzteil gehngt werden. Wie bei allen Mobilgerten lsst sich, unabhngig von Leistung und Display-Auflsung, am meisten Akkulaufzeit herausholen, wenn man sparsam mit der Bildschirmbeleuchtung umgeht.
Die Akkulaufzeit entspricht in etwa der des iPad.
Android 4.2
Auf unserem Testgert ist bereits die neuste Version des Google-Betriebssystems installiert. Allerdings offenbar in einer noch nicht finalen Version. So war darin beispielsweise noch kein Hinweis auf die versprochene Mehrbenutzerfhigkeit zu finden. In den Gerten, die an Kunden ausgeliefert werden, soll das anders sein. Sie sollen sich jeweils per Fingertipp auf ihr Foto als aktiver Nutzer anmelden knnen und eine personalisierte Umgebung samt E-Mail-Konten und sozialer Netzwerke vorfinden. So wre es beispielsweise mglich, ein Tablet in der Familie gemeinsam zu nutzen.
Ebenso wenig ist es uns gelungen, Widgets, wie versprochen, auf dem Sperrbildschirm abzulegen oder die Daydream genannten Bildschirmschoner auszuprobieren. Die Kamera-App hingegen ist auf unserem Testgert schon final. So konnten wir die Photo-Sphere-Funktion ausprobieren, mit der man quasi ber-Panoramen fotografieren kann, die mehr als nur eine Reihe nebeneinander liegender Bilder zusammenfassen. Ein Beispiel dafr sehen Sie in der Bilderstrecke.
Trotzdem: Android 4.2 mssen wir uns spter noch genau anschauen.
Ist es besser?
Keine Frage: Das Nexus 10 ist besser. Und zwar besser als alle anderen Android-Tablets, die wir bisher gesehen haben. Sein Bildschirm ist grandios, auch wenn er zu stark spiegelt. Die Prozessorleistung ist mehr als ausreichend, die 32 Gigabyte Speicher des Testgerts drften den meisten Anwendern ebenso ausreichen wie die Akkulaufzeit.
Aber ist es auch besser als ein iPad 4, das ja immerhin 100 Euro mehr kostet? Ansichtssache. Beschrnkt man sich auf das Tablet selbst sowie die Apps und Dienstleistungen die Google dafr anbietet - und das sind nicht wenige - kann man sich den Aufpreis sparen. Zumal, wenn man sich mit dem Design anfreunden kann. Das grere Zubehr-Angebot und die immer noch einfachere Benutzeroberflche findet man allerdings beim Apple-Tablet. Ebenso wie eine Mobilnetz-taugliche Tablet-Variante, die vom Nexus 10 bisher nicht in Aussicht gestellt worden ist.
Die 16-GB-Variante des Nexus 10 allerdings drfte bald zum Bestseller werden. Sie bietet die Fhigkeiten eines iPad 4 zum Preis eines iPad 2 an. Nur ohne Apple-Faktor.
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