Der Chemiekonzern BASF setzt auf die umstrittene Förderung von Schiefergas. Für den Konzern seien dabei Europa und Südamerika interessant, sagte BASF-Vorstand Harald Schwager der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".
Auch eine Förderung in Deutschland schließe BASF nicht aus. "Wir würden gerne in die Forschung einsteigen, um überhaupt herauszufinden, ob es möglich ist, hier wirtschaftlich, sozial akzeptiert und umweltverträglich Schiefergas zu fördern."
Bei der Schiefergas-Förderung, dem sogenannten Fracking, werden Wasser und Chemikalien mit hohem Druck in Gestein gepumpt, um an die dort lagernden Gas- und Ölvorkommen zu kommen. Die Risiken für die Umwelt schätzen Kritiker als beträchtlich ein.
In den USA wird Schiefergas bereits in großem Stil gefördert, die Gaspreise sind dort auf ein Drittel des deutschen Niveaus gefallen. Die deutsche Industrie fürchtet, ins Hintertreffen zu geraten. "In Amerika werden zwischenzeitlich 'eingemottete' Chemieanlagen wieder hochgefahren, weil sie sich wegen des niedrigen Gaspreises heute rechnen", sagte Schwager.
Der Druck auf die Preise in Europa durch exportiertes amerikanisches Gas werde sich in Grenzen halten, da die Exportkapazitäten der USA gering seien. Es gebe keinen Weltgasmarkt. "Daher profitieren vor allem die Länder, in denen Schiefergas gefördert wird", sagte der BASF-Manager.
Bundesregierung plant bundesweite Regelung
Die Bundesregierung will nach neuen Vorschlägen der Fraktionen von Union und FDP die umstrittene Gasförderung rasch bundesweit regeln. "Wir werden gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium zügig Regelungsvorschläge vorlegen", sagte ein Sprecher von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) der dpa. Ob ein Gesetz noch vor der Bundestagswahl im September zu erwarten ist, ließ er offen.
Das Umweltbundesamt hatte in einer Studie ermittelt, dass Deutschland mit den geschätzten Schiefergas-Vorkommen seinen gesamten Gasbedarf für 13 Jahre decken könnte allerdings liegen viele Vorkommen in Wasserschutzgebieten.
Eine Arbeitsgruppe von Union und FDP zu dem Thema hatte Anfang Februar klare Vorstellungen an Altmaier und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) formuliert. Für jeden neuen Bohrvorgang forderte sie eine verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung und klare Regelungen, was mit den eingesetzten Stoffen anschließend passiert. Zudem wird ein Ausschluss für alle Wasserschutzgebiete verlangt, damit es nicht zu einer Verseuchung des Grundwassers kommt, was Kritiker befürchten.
"Es ist klarzustellen, dass in Wasserschutzgebieten Erkundungs- und Gewinnungsmaßnahmen von Erdgas aus Schiefergas mittels Fracking ausgeschlossen sind. Der Schutz von Heil- und Mineralquellen ist sicherzustellen", heißt es in einem Schreiben an die Minister.
Der Bundesrat hatte erst vor einer Woche gefordert, den Einsatz umweltgefährdender Substanzen beim Fracking solange komplett zu verbieten, bis die Risiken restlos geklärt sind.
- Aufbrechen
Im Gegensatz zu konventionellem Erdgas strömt Schiefergas nicht von alleine aus einem Bohrloch, da das Gestein nicht durchlässig genug ist. Daher muss dieses zunächst aufgebrochen (gefrackt") werden. Dies geschieht, indem ein Gemisch aus Wasser, Quarzsand und Chemikalien in das Gestein gepresst wird, wodurch Risse erzeugt werden. Ähnlich funktioniert es auch bei Schieferöl.
- Aufkommen
Die Stoffe, die in den Boden gepresst werden, umfassen der US-Umweltbehörde zufolge etwa 600 verschiedene Chemikalien. Schon zwischen 2005 und 2009 wurden einer Untersuchung des US-Kongresses zufolge allein in den USA rund 43 Millionen Liter an solchen Stoffen eingesetzt. Seither hat die Förderung von Schiefergas und Schieferöl jedoch erst so richtig an Fahrt gewonnen.
- Abpumpen
Nachdem das Gestein durch die Hilfsstoffe aufgebrochen wurde, wird das Gemisch zwar zurückgepumpt. Dies gelingt jedoch nicht komplett, ein Teil verbleibt in der Lagerstätte. Dadurch ergeben sich nach Aussagen des Umweltbundesamtes Risiken, insbesondere für Grund- und Trinkwasser. Zusätzliche Gefahren ergeben sich durch die Entsorgung der Stoffe. Und schließlich führt das Verfeuern des Öls oder Gases letztlich zu einer Erhöhung des CO2-Ausstoßes und damit möglicherweise zu einer Beschleunigung des Klimawandels.
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