Seine Seelsorge geht auch über das Internet. Wenn Kaplan Norbert Becker seinen Laptop aufklappt und sich in Facebook einloggt, warten dort schon seine Ministranten und Schüler. Der 28-Jährige ist in der Pfarreiengemeinschaft Hofheim (Landkreis Haßberge) eingesetzt. Über das Netz hält er Kontakt zu den vielen Jugendlichen in den weitläufig verstreuten Pfarreien.
"Den Spitznamen Facebook-Kaplan habe ich weg", sagt er lachend. Vor allem weil er eine Zulassungsarbeit für die Zweite Dienstprüfung mit dem Titel "Postet der liebe Gott in Facebook?" über die Chancen und Risiken der Jugendpastorale in dem sozialen Netzwerk verfasst hat.
Die Frage beantwortet er klar mit Ja. Becker sieht das Göttliche etwa verkörpert in der Gemeinschaft. Natürlich beschäftigt ihn auch der Papst-Rücktritt. Sehr schnell hätten Kollegen die Nachricht in Facebook weiterverlinkt. Becker selber kann nichts als Respekt und Anerkennung für Papst Benedikts Entschluss empfinden. "Ein krasser, aber sicher richtiger Schritt eines klugen Mannes."
Die Reaktionen via Facebook folgten umgehend: "Da zeigt sich wahre Größe." Ein anderer postete: "Er wird uns fehlen." Einige Freunde hätten Benedikts Foto in ihr Titelbild gestellt oder zum Gebet für ihn aufgerufen. Der Kaplan fasst seine Eindrücke aus dem sozialen Netzwerk zusammen: "Es ist schon ein wichtiges Thema auf Facebook, aber eben nur eines unter vielen."
Ganz nüchtern zeigen ihm das die Zahlen. So haben 59 Personen auf seinen Kommentar zum Papst mit einem "Gefällt mir"-Klick reagiert. Das eher "weltliche" Foto seines Besuches beim Bundesligaspiel Bayern gegen Schalke habe mit 46 Klicks fast ebenso viele Reaktionen erhalten.
Den Impuls, sich als Seelsorger mit dem Netzwerk zu beschäftigen, bekam Becker im Sommer 2011, als er mit seiner Priestergemeinschaft unterwegs war, 300 Kilometer von Hofheim entfernt. Ein Jugendlicher schrieb ihm, dass dessen Mutter überraschend gestorben sei. "Das hätte ich sonst nie mitbekommen und da habe ich mir gedacht, so verkehrt kann Facebook ja auch nicht sein."
In seiner Zulassungsarbeit, die die Bestnote bekam, nennt er ein weiteres Beispiel, wie sich das Netzwerk in die tägliche Seelsorge einbinden lässt. Als er in einem Kommentar den Kopfschuss für Osama Bin Laden als "entwürdigend" bezeichnet, sprechen ihn am nächsten Tag zwei Schüler darauf an. "So entstand eine kurze Diskussion über Moral und Werte, die es ohne den Eintrag wohl nicht gegeben hätte", sagt Becker. Facebook sei für die Kirche sicher ein sinnvolles Medium, ähnlich wie man sich ja auch im Fernsehen oder in Zeitungen präsentiere. "Wir vertun eine Chance, wenn wir es nicht nutzen", unterstreicht er. Und so hat Becker bei seiner Schreibtischarbeit immer einen Blick in das soziale Netzwerk, abends widmet er sich den Nachrichten dann intensiver. "Da sitze ich dann oft auch mal bis Mitternacht." In seinen Pfarreien sind über 55 Prozent der Jugendlichen ab 13 Jahren im Netzwerk aktiv.
Sein Ziel ist es auch, den Menschen ein Stück weit die Angst im Umgang mit dem sozialen Netzwerk zu nehmen, welches fast nur in Zusammenhang mit Mobbing und ausufernden Partys genannt werde. Becker will nicht als einsamer Rufer in der Wüste gelten, was das Thema Kirche und Facebook angeht. Da ist noch viel zu tun. Von Bayerns Bischöfen jedenfalls pflegt nur einer einen persönlichen Account, Bambergs Oberhirte Ludwig Schick. Über Tablet und Smartphone komme er auch an Menschen heran, die mit der klassischen Kirche nichts mehr zu tun hätten.
Das unterstreicht auch der "Facebook-Kaplan". Zudem sei es gut, dass die Christen ihren Pfarrer als normalen Menschen erleben können, der etwa Urlaubsfotos vor der New Yorker Skyline auf die Pinnwand stellt. Allerdings gibt es auch Grenzen: "Ich poste nichts, was ich nicht auch in den Schaukasten der Pfarrei stellen würde." Auch was in einem Chat besprochen werde, ist für ihn limitiert. "Bei wirklich gravierenden persönlichen Problemen suche ich ein Vier-Augen-Gespräch", sagt er.
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