Düsseldorf (RP). Der europäische Fußball wird erneut erschüttert von möglicherweise 680 manipulierten Partien. Wetten können sogar auf Jugendspiele platziert werden. Auch andere Sportarten wie Eishockey und Tennis sind von illegalen Machenschaften betroffen.
Im Internet-Videoportal Youtube finden sich gleich eine ganze Reihe lustiger Filmchen. Zu sehen sind darin tollpatschige Kerle, die auf mehr und minder skurrile Weise den Ball ins Tor stolpern. Man fängt herzhaft an zu lachen, wenn man so viel vermeintliche Talentfreiheit am Bildschirm bewundert. Nun stellt sich heraus, dass die dort handelnden Personen vielleicht doch ziemlich viel von ihrem Handwerk verstehen. Sie haben sich offenbar für das Schauspiel bezahlen lassen. So oder so ähnlich ist es europaweit oft in den vergangenen Monaten gelaufen, allerdings haben sich die Handlanger auf dem Rasen meist unauffällig verhalten.
Die europäische Polizeibehörde Europol hat nach eigenen Angaben den weltweit größten Wettskandal der Fußball-Geschichte aufgedeckt. Zwischen 2008 und 2011 soll es insgesamt 380 manipulierte Spiele gegeben haben. In 300 weiteren verdächtigen Fällen laufen derzeit noch die Ermittlungen. Der vom Bochumer Landgericht abgehandelte Skandal um den Wettpaten Ante Sapina sowie dessen Komplizen Marijo C., bei dem es sich um 51 manipulierte Spiele gehandelt hat, ist in den Zahlen von Europol bereits enthalten. Laut Europol sollen insgesamt 425 Spieler, Schiedsrichter, Funktionäre und Kriminelle in die Manipulationen der vergangenen Jahre einbezogen gewesen sein.
Deutschland ist von dem neuerlichen Wettskandal offenbar nicht betroffen. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Bochum, das in Deutschland die europäische Polizeibehörde Europol bei den Ermittlungen unterstützt hat und 2009 beim Bundesliga-Wettskandal federführend tätig war, gibt es keine neuen Verdachtsfälle aus dem Profi-Fußball in Deutschland. "Es gibt keine neuen Erkenntnisse, was den deutschen Fußball betrifft", sagte ein Sprecher auf Anfrage. Europol habe lediglich die Ermittlungen der vergangenen Jahre zusammengefasst.
Sonderkommission "Flankengott"
Die in Bochum tätige Sonderkommission "Flankengott" gehe aber weiterhin allen Hinweisen zu Verdachtsfällen und möglichen Manipulationen im Fußball nach. Auch sollen die Bochumer jüngst finnischen Ermittlungsbehörden bei der Analyse von Internet-Servern geholfen haben, über die angeblich illegale Wettaktivitäten abgewickelt worden seien. Im Bundesinnenministerium wollte man die Veröffentlichungen von Europol nicht kommentieren. Es gebe keine Hinweise, dass es in Deutschland über die bisher bekannten Fälle neue Manipulationen gegeben habe.
Nach Angaben des Bochumer Hauptkommissars Friedhelm Althans werden 70 verdächtige Spiele in Deutschland untersucht. An den Manipulationen sollen 425 Personen in 15 Ländern beteiligt gewesen sein Klub-Funktionäre, ehemalige und aktuelle Spieler sowie Schiedsrichter. 151 davon sollen in Deutschland wohnen.
Herausgekommen sind die kriminellen Machenschaften durch die Beobachtung des Wettmarktes durch die Firma Sportradar. Die Schweizer prüfen im Auftrag der Uefa Quoten und Einsätze bei 300 registrierten Anbietern. Manchmal stürzen bei Begegnungen die Kurse binnen Sekunden ab, in einem anderen Fall explodieren sie nach oben. Die Buchmacher nehmen in solchen Fällen die Duelle aus dem Angebot, denn vieles spricht dann dafür, dass nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist.
Besonders anfällig sollen, wie ein Fall in Lettland zeigt, osteuropäische Mannschaften sein. Bei Spielergehältern von 300 Euro im Monat kann ein Bestechungsgeld im Bereich von 1000 Euro aufwärts einen armen Kicker schnell schwach machen. Beim aktuellen Skandal sollen auch in anderen europäischen Regionen etliche Spieler bestechlich gewesen sein. Den großen Reibach macht die Wettmafia. Es geht um Milliardenumsätze. In der Regel operieren die Betrüger außerhalb der Kontrolle von Uefa und nationalen Verbänden. Die Wetten werden bei Buchmachern im asiatischen Raum platziert die hat Sportradar nicht auf dem Schirm.
Details per Handy
Darunter sind vielfach Spiele in unteren Ligen, die nicht einmal im Fernsehen übertragen werden. Dafür wuseln so genannte Spotter, vielfach Chinesen, meist Studenten, die per Handy Details weitergeben, auf den Plätzen herum und senden eine Liveübertragung an die Wett-Plattformen. Selbst bei Jugendspielen sind diese "Kommentatoren" gesichtet worden. Interessant sind die Partien vor allem deshalb, weil zeitgleich nicht viel los ist. Dass die Glücksspieler die Begegnungen nicht selbst sehen können, spielt keine Rolle in Asien, sagen Insider, wird auf alles gewettet.
Die größten Einsätze gibt es aufgrund der Popularität beim Fußball. Doch auch beim Eishockey, Boxen, Basketball und Tennis gibt Fälle, die Ermittler stutzig machen. In der Tennisszene sollen sogar Spieler der gehobenen Kategorie verwickelt gewesen sein nachgewiesen konnte ihnen nichts werden.
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