Hamburg - Der Hersteller von mit Pferdefleisch verunreinigten Tiefkhlgerichten in Grobritannien hat in der Vergangenheit auch Deutschland beliefert. Die Internetseite des Unternehmens Comigel ist derzeit nicht erreichbar, telefonische Anfragen blieben bislang unbeantwortet. Aber noch im Juli 2012 hie es auf der Comigel-Seite: "Unsere Expertise mit privaten Markenprodukten ist das Ergebnis einer 30-jhrigen Prsenz als Europas fhrender Lieferant in Frankreich, Deutschland, Skandinavien, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden, sterreich und Zentraleuropa." Weiter schrieb Comigel, man habe "einzigartige und privilegierte Kooperationen" mit den wichtigsten europischen Einzelhndlern, Tiefkhlzentren und Automatenlieferanten.
Comigel sorgt derzeit in Grobritannien als Lieferant der Tiefkhlmarke Findus fr Schlagzeilen. Am Donnerstag war bekannt geworden, dass die britische Lebensmittelaufsicht FSA in elf von 18 getesteten Findus-Lasagnen Pferdefleisch entdeckt hat. Die FSA ordnete daraufhin die berprfung smtlicher Tiefkhlgerichte an, die offiziell Rindfleisch enthalten. Die Supermarktketten Tesco
und Aldi zogen in Grobritannien vorsorglich smtliche Comigel-Produkte zurck. Am Freitagmittag gab Findus zudem bekannt, dass es seine Lasagne auch in Schweden zurckruft.
Findus habe sich am Montag mit einem Brief an Einzelhndler gewandt, schreibt die "Times" unter Berufung auf den Labour-Abgeordneten Tom Watson, dem das Schreiben nach eigenen Angaben vorliegt. Demnach hatte ein franzsischer Zulieferer - vermutlich Comigel - am 2. Februar darauf hingewiesen, dass Rohmaterial seit Anfang August "wahrscheinlich nicht den Anforderungen entsprach und damit die Beschriftung fertiger Produkte unkorrekt war".
Nun stellt sich die Frage, ob Findus-Produkte mit Pferdefleisch auch in anderen Lndern in den Handel geraten sein knnten. Die Vertriebswege sind schwer nachzuvollziehen, da die Produkte je nach Land von unterschiedlichen Partnern vertrieben werden. Findus gehrte ber Jahrzehnte zum Lebensmittelkonzern Nestl
, der jedoch im Jahr 2000 weite Teile des Geschfts an eine Private-Equity-Gruppe verkaufte. Die mittlerweile von London aus gesteuerte Findus-Group war am Freitag fr einen Kommentar nicht zu erreichen.
"Keine Informationen, dass irgendetwas nicht stimmt"
Der deutsche Vertriebspartner BestCon Food importiert Findus-Produkte nach Angaben des Marketingleiters Gnter Wissemborski aus Schweden. Das einzige Fleischprodukt seien dabei Kttbullar, Fleischbllchen aus Schweine- und Rindfleisch, die ausschlielich an Groverbraucher geliefert wrden. "Wir haben keine Information aus Schweden darber, dass mit dem Fleisch irgendetwas nicht stimmt", sagte Wissemborski SPIEGEL ONLINE.
Ein Sprecher des Verbraucherschutzministeriums von Nordrhein-Westfalen sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Kontrolldichte im grten Bundesland sei am Freitag verschrft worden. "Wir haben angeordnet, dass die Kontrollstellen einen verschrften Blick bei der Produktkontrolle machen. Bisher ist noch nichts aufgefallen." Die Lebensmittelkontrolle ist in Deutschland Sache der Bundeslnder.
Pferdefleisch ist in vielen Lndern zum Verzehr zugelassen, auch in Deutschland. Entscheidend sei, ob das Fleisch hygienisch verarbeitet wurde, sagte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. In Deutschland seien ihm bislang keine Flle bekannt, in denen Rindfleisch durch Pferdefleisch ersetzt wurde. In Grobritannien sorgen die Funde fr Emprung, zumal bereits im Januar Pferdefleisch in Tiefkhl-Hamburgern aufgetaucht war. Die konservative Abgeordnete Anne McIntosh sagte, sie werde vorerst keine Fertigmahlzeiten mit Rindfleisch mehr essen. Verbraucher sollten mglichst lokal produzierte Lebensmittel kaufen. Schlielich sei auffllig, dass es sich bei den Funden ausschlielich um Fleisch aus anderen EU-Staaten gehandelt habe. "Nichts von dem Fleisch scheint aus diesem Land zu kommen."
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