Der britische Mobilfunkkonzern Vodafone erwägt laut einem Magazinbericht die milliardenschwere Übernahme von Deutschlands größtem Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland (KDG). Der neue Vodafone-Deutschland-Chef Jens Schulte-Bockum habe mit Konzern-Strategiechef Warren Finegold bereits einen Geschäftsplan für die Akquisition durchgerechnet, berichtete das "Manager Magazin" ohne Angabe von Quellen. Der Plan liege zur Abstimmung bei Konzernchef Vittorio Colao, der der Übernahme "zugeneigt sei", heißt es in dem Bericht. Weder Vodafone noch Kabel Deutschland wollten sich auf Anfrage dazu äußern.
Der Bericht trieb die Aktie von Kabel Deutschland zwischenzeitlich um bis zu 14 Prozent auf ein Rekordhoch von 72,75 Euro. Der Börsenwert des Unternehmens stieg dadurch um rund 800 Millionen auf gut 6,4 Milliarden Euro. "Die Übernahme würde für Vodafone Sinn machen weg vom margenschwachen Mobilfunkgeschäft und hin zu stabilen Erträgen aus dem Kabelgeschäft", sagte ein Händler. "Da könnte durchaus was dran sein."
Es wäre nicht der erste Mal, dass Vodafone ein Auge auf den deutschen Kabel-Marktführer wirft. Schon kurz vor dem Börsengang von Kabel Deutschland vor knapp drei Jahren spielte der damalige Vodafone-Deutschland-Chef Friedrich Joussen ein Übernahmeangebot durch allerdings wurde er von der Londoner Zentrale zurückgepfiffen. Spekulationen über einen Weggang von Joussen im Nachgang hatten sich nicht bestätigt. Joussen wechselte erst im vergangenen Herbst zum Reisekonzern TUI und hat am Mittwoch dort den Chefposten übernommen.
Sollte es tatsächlich zu einer Übernahme kommen, könnte dies für Joussen zu einer späten Genugtuung werden. Andererseits dürfte der britische Konzern seine damalige Entscheidung bereuen. Denn inzwischen ist Kabel Deutschland deutlich teurer. Im Vergleich zum Ausgabepreis hat KDG seinen Wert mehr als verdreifacht. Damals waren die Aktien zu 22,50 Euro ausgegeben worden. Insgesamt hat der ehemalige Eigentümer, der Finanzinvestor Providence, 2,75 Milliarden Euro mit dem Verkauf von Kabel-Deutschland-Aktien eingenommen. Vodafone ist an der Börse knapp 107 Milliarden Euro wert.
Ein Banker, der Vodafone in der Vergangenheit beraten hatte, sagte, dass eine Übernahme strategisch durchaus sinnvoll wäre. Zwar verfolge die Vodafone-Spitze eigentlich andere Prioritäten, etwa in Spanien. Doch wenn die Briten dort nicht zum Zuge kämen, könnten sie auch den Blick nach Deutschland richten. Kabel Deutschland wäre einem Übernahmeversuch weitgehend ausgeliefert alle Aktien des Unternehmens befinden sich im Streubesitz. KDG versorgt Haushalte in 13 Bundesländern mit Fernsehen, Telefon und Internet.
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