Im Skandal um falsch etikettiertes Pferdefleisch mssen sich die Verbraucher in Deutschland offenbar keine Sorgen machen: Es gebe derzeit "keine Hinweise", dass solche Produkte auch hierzulande auf den Markt gekommen seien, teilte das Verbraucherschutzministerium in Berlin mit. In Frankreich und Rumnien luft die Suche nach Schuldigen auf Hochtouren.
Es lgen "weder Erkenntnisse der deutschen Lnderbehrden noch Hinweise aus anderen EU-Mitgliedstaaten" vor, dass als Rindfleisch ausgewiesene Tiefkhlprodukte auch in Deutschland als Pferdefleisch auf den Markt gekommen seien, sagte der Sprecher des Bundesverbraucherschutzministeriums, Holger Eichele. Den Skandal bezeichnete er als "krassen Fall von Verbrauchertuschung".
Die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann nahm vorsorglich ihre Tiefkhllasagne der Eigenmarke A&P aus dem Verkauf. Der Inhalt wird nun untersucht, wie eine Sprecherin des Unternehmens gegenber "Spiegel Online" besttigte. Bislang liege kein Nachweis vor, dass Pferdefleisch verarbeitet sein knnte.
Vergangene Woche wurden in Grobritannien, Frankreich und Schweden mehrere Tiefkhlprodukte aus dem Handel genommen, nachdem in Lasagne bis zu hundert Prozent Pferdefleisch entdeckt worden war, obwohl Rindfleisch auf den Etiketten stand. Mitte Januar war bereits Pferdefleisch in Tiefkhl-Hamburgern in Grobritannien und Irland gefunden worden.
In Frankreich kontrollierte die Anti-Betrugsbehrde mehrere betroffene Unternehmen. Rumlichkeiten der Firma Comigel in Metz sowie der Firma Spanghero im Sdwesten wurden unter anderem inspiziert, wie es aus Ermittlerkreisen hie. Die in Frage stehenden Tiefkhlprodukte wurden von der Firma Comigel hergestellt und kamen unter anderem unter der Marke Findus in mehreren Lndern in den Handel. Comigel sowie Findus sehen sich selbst als Opfer eines groangelegten Betruges, Findus wollte Klage einreichen.
Comigel hatte das Fleisch von der Firma Spanghero in Sdwestfrankreich erhalten, die dieses nach eigenen Angaben aus Rumnien bezog. Auch Spanghero versicherte seine Unschuld und hob am Montag hervor, sich "strikt" an die europischen und franzsischen Vorschriften gehalten zu haben.
Doch auch die rumnischen Fleischlieferanten weisen jede Schuld von sich. Der rumnische Regierungschef Victor Ponta versicherte, dass "keine Unregelmigkeit" durch eine rumnische Firma oder auf rumnischem Boden begangen worden sei. Der Chef des rumnischen Lebensmittelverbands, Dragos Frumoso, sagte, wenn der Importeur des Fleisches keine Einwnde erhoben habe, sei er entweder ein "Komplize" oder habe selbst das Fleisch umetikettiert.
Die franzsische Regierung berief angesichts des Lebensmittelskandals fr Montagabend ein Krisentreffen der zustndigen Minister ein. Prsident Franois Hollande forderte behrdliche und strafrechtliche Sanktionen, falls sich Vorwrfe gegen Schuldige erhrten sollten. Er prangerte "Versumnisse" und "unzulssiges Verhalten" an. Zuvor hatte bereits Landwirtschaftsminister Stphane Le Foll im Sender RTL diejenigen verurteilt, "die betrgen, die zu tricksen versuchen". Dabei verwies er auch auf die Vielzahl von Zwischenhndlern.
Der britische Lebensmittelminister Owen Paterson sprach von einer groangelegten "kriminellen Verschwrung". Dem Sender BBC sagte er, eine Warnung sei an 16 Lnder gegangen. Die EU-Kommission sah die EU-Mitgliedstaaten in der Pflicht, einen mglichen Betrug zu prfen. Den bisherigen Erkenntnissen zufolge sei kein Mensch nach dem Verzehr des Fleisches erkrankt, auch sei dies nicht kontaminiert, sagte der Kommissionssprecher fr Gesundheit und Verbraucherschutz in Brssel. Es gehe nicht um ein Problem der Lebensmittelsicherheit und daher sei ein koordiniertes EU-Vorgehen nicht ntig.
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