Es ist eine unheilige Allianz: Die Lebensmittelindustrie bietet viele Fertigprodukte an - und die Verbraucher greifen immer hufiger darauf zurck. Das zeigt die aktuelle Studie "Iss was, Deutschland?", in der die Techniker Krankenkasse (TK) das Essverhalten der Deutschen untersucht. Demnach kommt bei vier von zehn Bundesbrgern mindestens ein- bis zweimal in der Woche Fertigkost auf den Tisch - von der Ttensuppe, ber die Tiefkhlpizza bis zur Fertigsoe. Dabei ist nicht erst seit dem Pferdefleisch-Skandal bekannt, dass in diesen Produkten so allerhand stecken kann, was der Konsument eigentlich besser nicht zu oft auf dem Teller haben sollte - und das muss gar nicht illegal hineingelangen.
So ist in Fertigprodukten oft reichlich Salz enthalten. Auch mit Zusatzstoffen, Geschmacksverstrkern oder Zucker geizen die Hersteller bei den verarbeiteten Lebensmitteln hufig nicht. Vor allem bei jungen Menschen ist die Fertigkost dennoch beliebt: Immerhin 17 Prozent der 18- bis 25-Jhrigen greifen drei- bis fnfmal die Woche dazu, schreiben die Autoren der TK-Studie. Neben Bequemlichkeit und Zeitmangel fehle manchmal auch schlichtweg die Kenntnis darber, wie gesunde Gerichte zubereitet werden.
Fr die Studie "Iss was, Deutschland?" hat das Forsa-Institut im Auftrag der TK im Januar dieses Jahres 1000 Erwachsene zu ihrem Essverhalten befragt. Was essen sie wo und wann? Greifen sie selbst zum Kochlffel? Ist es mglich, sich im Berufsalltag gesund zu ernhren? Und welchen Stellenwert nimmt eine ausgewogene Ernhrung ein? Zehn Ergebnisse der Studie im berblick:
1. Fr die Hlfte der Deutschen ist gutes Essen wichtig
Immerhin fr die Hlfte der Frauen und Mnner, die fr die Studie befragt wurde, hat das Essen einen hohen Stellenwert. Sie sind bereit, Zeit und Geld zu investieren. 45 Prozent der Befragten ist es demnach am wichtigsten, dass ein Essen lecker ist. Deutlich weniger, nmlich 35 Prozent, legen Wert auf gesunde Kost. Vor allem Frauen achten darauf, dass Mahlzeiten gesund und kalorienarm sind. Unter den jngeren beschftigen sich deutlich weniger mit dem Thema: Nur 23 Prozent der 18- bis 25-Jhrigen ist es wichtig, dass sie sich gesund ernhren. Nur jeder Zehnte von ihnen setzt es im Alltag um.
2. Verzicht auf Wurst und Fleisch fllt vielen schwer
Im Schnitt verzehrt die Hlfte der Bevlkerung tglich Wurst oder Fleisch. Je geringer der Bildungsstand und das Einkommen, desto fleischlastiger ist die Ernhrung. Vor allem Mnnern und jngeren Bundesbrgern falle der Verzicht schwer, heit es in der Studie.
3. Frauen essen hufiger aus Frust
Frauen sind der Studie zufolge die greren Frustesser. 40 Prozent werfen bei schlechter Laune ihre Vorstze ber Bord und greifen nach Herzenslust zu. Bei den Mnnern ist dies nur die Hlfte. Bei Sigkeiten und Chips liegen Mnner und Frauen fast gleichauf: 17 Prozent der Frauen gaben an, tglich ein Stck Schokolade zu essen oder in die Flips-Tte zu greifen. Bei den Mnnern waren es 16 Prozent.
4. Wenig Zeit erschwert gesunde Ernhrung
An Wissen ber eine gesunde Ernhrung mangelt es nicht und hufig ist auch der Wille da: Als grte Hrde fr eine gesndere Ernhrung nennt die Hlfte der Befragten fehlende Zeit und Ruhe. In vielen Fllen ist es aber schlichtweg der "innere Schweinehund", der die guten Vorstze zunichte macht, wie vier von zehn Befragten zugeben.
5. Essen ist immer hufiger Nebensache
Bei jedem zweiten Bundesbrger verkommt Essen zur Nebensache, so ein Fazit der Umfrage. Die Alltagshektik, die Mobilitt und die permanente Medienflut beeinflussen die Esskultur. Bei etwa einem Drittel der Befragten luft beim Essen der Fernseher oder Computer. Gegessen werde "im Gehen und im Stehen", parallel wrden noch die E-Mails gecheckt, klagt TK-Chef Jens Baas. Vor allem jngere Menschen essen oft mit der Gabel in der einen und dem Smartphone in der anderen Hand. Bei vier von zehn unter 25-Jhrigen wird das Essen dadurch vllig nebenschlich, kritisieren die Autoren der Studie.
6. Nur die Hlfte aller Haushalte kocht regelmig selbst
In vielen Familien wird nur noch selten selbst gekocht. Nur noch in der Hlfte der Haushalte gibt es tglich eine selbst zubereitete Mahlzeit. In jeder dritten Familie wird immerhin drei- bis fnf Mal pro Woche ein Essen selbst zubereitet. Beim Rest bleibe die Kche meistens kalt.
7. Sich gesund zu ernhren, ist im Arbeitsalltag oft schwer
Wer auch im Arbeitsalltag auf gesunde Ernhrung achten will, hat ein Problem: Die guten Vorstze scheitern oft nicht nur an der begrenzten Auswahl, sondern vor allem am Zeitdruck. Nur jeder Zweite kann in den Arbeitspausen in Ruhe essen. "Ein Drittel aller Berufsttigen beklagt, dass eine gesunde Ernhrung bei der Arbeit schlichtweg nicht mglich ist", sagt Forsa-Chef Manfred Gllner. Viele Arbeitnehmer essen deshalb im Job nicht viel, dafr aber abends zuhause reichlich.
8. Kosten spielen eine Rolle
Fr viele Geringverdiener ist eine gesunde Ernhrung auch eine Geldfrage. Fr TK-Chef Jens Baas ein auf den ersten paradoxes Ergebnis der Studie: Denn zugleich geben Menschen mit geringem Einkommen an, hufig in Fast-Food-Lden zu gehen. Die schlagen jedoch deutlich mehr zu Buche als eine gesunde Ernhrung. "Auch hier wird deutlich: Gesunde Ernhrung hat sehr viel mit Bewusstsein zu tun", so Baas.
9. Unvertrglichkeiten und Allergien nehmen zu
Lebensmittelunvertrglichkeiten und Allergien nehmen zu: Zumindest geben 17 Prozent der Befragten an, dass sie davon betroffen sind. Der Anstieg sei auf vernderte Lebens- und Ernhrungsgewohnheiten zurckzufhren, heit es in der Studie. Ein weiterer Grund drfte aber auch sein, dass das Bewusstsein fr die Problematik gestiegen ist.
10. Jeder zweite Deutsche ist mit seinem Gewicht unzufrieden
Wie die Umfrage ergeben hat, ist jeder Zweite mit seiner Figur unzufrieden. Jede zweite Frau und jeder vierte Mann htten daher schon einmal versucht, mit einer kurzfristigen Dit abzunehmen, viele von ihnen auch mehrfach. ber die Hlfte hat jedoch den sogenannten Jo-Jo-Effekt erlebt. Deutlich erfolgreicher sei eine dauerhafte Ernhrungsumstellung, schreiben die Autoren der TK-Studie. Sechs von zehn Befragten konnten ihr Gewicht so dauerhaft reduzieren.
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