miércoles, 6 de febrero de 2013

Dr. Schavan will gegen Titelentzug klagen - Hamburger Abendblatt

06.02.13, 06:10

Universität Düsseldorf wirft der Bildungsministerin vor, in ihrer Dissertation "systematisch und vorsätzlich" getäuscht zu haben

Düsseldorf/Berlin. Es ist ein schwerer Schlag für Annette Schavan (CDU): Die Universität Düsseldorf entzieht nach Plagiatsvorwürfen der obersten politischen Repräsentantin von Bildung und Forschung in Deutschland den Doktortitel. Zwar wird die Bundesbildungsministerin jetzt mit einer renommierten Anwaltskanzlei gegen die Entscheidung klagen. Doch es gilt als eher unwahrscheinlich, dass sie sich bis zum Ende eines möglicherweise langwierigen Verfahrens im Amt halten kann. Nach Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist Schavan das zweite Kabinettsmitglied in der Regierung von Angela Merkel (CDU), das den Doktortitel verliert.

Nicht nur für Schavan, auch für die Kanzlerin wäre das Verfahren im nahenden Wahlkampf eine schwere Hypothek. Der Prozess könnte sich über Monate hinziehen und durch weitere Instanzen gehen. Die Uni-Entscheidung ist somit noch nicht rechtskräftig.

Aus den Koalitionsfraktionen Union und FDP erhielt Schavan zwar noch am Dienstagabend Schützenhilfe. Unions-Fraktionsvize Michael Kretschmer sprach von einer "politisch motivierten Kampagne gegen eine sehr erfolgreiche Bundesforschungsministerin". Und der FDP-Bildungspolitiker Patrick Meinhardt betonte, bis zum Abschluss einer gerichtlichen Klärung gelte weiter die Unschuldsvermutung. Doch es ist wohl nur eine Frage der Zeit, wie lange sich Schavan und Merkel gegen Rücktrittsforderungen auch aus der Wissenschaftsszene stellen können.

Die Nachricht ereilte Schavan am Dienstagabend in der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria - 8800 Flugkilometer von Düsseldorf entfernt. Das seit neun Monaten laufende zähe und quälende Plagiatsverfahren um ihre 1980 eingereichte Dissertation "Person und Gewissen" hat bei Schavan deutlich Spuren hinterlassen. Gleichwohl wollte sie politische Handlungsfähigkeit zeigen und trat trotz der drohenden Entscheidung aus Düsseldorf die lange vorbereitete Reise nach Südafrika an.

In Düsseldorf blickte Professor Bruno Bleckmann scharf in die Kameras, bevor er die Entscheidung verkündete. Regungslos blieben seine Gesichtszüge, als der Vorsitzende des Rats der Philosophischen Fakultät an ein Pult vor dem Dekanat trat. Sechs Stunden hatten 15 stimmberechtigte Mitglieder des Gremiums unter Bleckmanns Vorsitz über den 33 Jahre alten Doktortitel von Schavan beraten. Kurz glitt der Blick des Althistorikers über seine Zuhörer in dem Betonbau auf dem Uni-Campus.

Dann setzte er mit fester Stimme zu seinem vernichtenden Urteil über die Dissertation an, die Schavan im Alter von 24 Jahren eingereicht hatte. Der Rat sehe den "Tatbestand einer vorsätzlichen Täuschung durch Plagiat" als erwiesen an. Der Entzug des Titels sei mit zwölf gegen zwei Stimmen bei einer Enthaltung beschlossen worden. Weder Verjährung lässt die Universität gelten noch das Argument, es müsse für ihre Arbeit ein anderes Plagiatsverständnis als heute angewendet werden. Der Rat habe es als erwiesen angesehen, "dass die damalige Doktorandin systematisch und vorsätzlich über die gesamte Dissertation verteilt gedankliche Leistungen vorgab, die sie in Wirklichkeit nicht selbst erbracht hatte". Schavans Anwälte betonten dagegen, was auch die Ministerin bislang zu den Vorwürfen sagte: "Eine Täuschung hat es nicht gegeben." Mit der Aberkennung des Titels besitzt Schavan nun keinen Studienabschluss mehr, weil sie seinerzeit direkt promoviert hatte.

SPD und Grüne forderten den Rücktritt Schavans. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sagte: "Frau Schavan ist als Wissenschaftsministerin nicht mehr glaubwürdig. Sie muss daraus ihre Konsequenzen ziehen." Der Grünen-Hochschulexperte Kai Gehring sagte der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung", Schavan sei als Wissenschaftsministerin unhaltbar geworden. Die forschungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Petra Sitte, sagte: "Ihre Handlungsfähigkeit in ihrem Amt wäre nach der Aberkennung des Doktorgrades und damit auch ihres ersten Studienabschlusses kaum noch gegeben."

Die Parteifreunde in ihrem Wahlkreis sehen aber weiter keinen Grund für Zweifel an der Ministerin. Die Entscheidung der Universität mache endlich den Weg frei für eine rechtliche Prüfung, sagte der Vorsitzende des CDU-Kreisverbands Alb-Donau/Ulm, Paul Glökler. "Jetzt kann sie dagegen angehen. Und ich bin gespannt, was dann noch rauskommt." Er sei überzeugt, dass Schavan ihren Titel am Ende zurückbekomme. Trotz der Plagiatsvorwürfe war Schavan erst Ende Januar in ihrem Heimatwahlkreis wieder als CDU-Bundestagskandidatin aufgestellt worden. 96 Prozent der Delegierten des Kreisverbands Alb-Donau/Ulm stimmten für die 57-Jährige.

In Deutschland werden jedes Jahr mehr als 25.000 Doktorarbeiten an den Universitäten neu eingereicht. Über Ablehnungen, Plagiate oder Täuschungsversuche bei Forschungsarbeiten wird jedoch nirgendwo Buch geführt. Es gibt nur Schätzungen. Gelegentlich sickert durch, dass eine abgelehnte Arbeit an einer anderen Hochschule erneut eingereicht wurde. Handelt es sich nicht um prominente Plagiatsfälle, wie etwa den des ehemaligen CSU-Nachwuchsstars und Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg oder der FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin, so werden Täuschungsversuche allenfalls dann publik, wenn sie vor einem Verwaltungsgericht verhandelt werden.

Der Fall der Bundesbildungsministerin hat zumindest in einem Teil der Wissenschaft Forderungen ausgelöst, dass zur Sicherung der Promotionsqualität künftig mehr getan werden müsse - und dass anders als bisher auch allgemein verbindliche Standards erforderlich sind. Kommt es in der Wissenschaft nicht zu einer übergreifenden Verständigung, wird nach der Fülle der prominenten Fälle von Plagiatsverdacht der Gesetzgeber in der nächsten Wahlperiode gefordert sein.

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