Apple hat in der Welt der Tablets viel zu verlieren. Das iPad ist nach dem iPhone das zweitwichtigste Produkt des Konzerns. Ausgerechnet hier gehen die Marktanteile stetig zurück.
In diesem Jahr dürften zum ersten Mal mehr Tablets mit Googles Android-System verkauft werden als iPads. Die am Dienstagabend in San Francisco vorgestellten neuen iPads werden daran nichts ändern.
Darum geht es aber gar nicht. Apples Ziel ist nicht die Steigerung der Marktanteile. Apple will möglichst viele iPads mit möglichst hohem Gewinn verkaufen. Die neuen Geräte - so viel ist sicher - werden diesen Zweck erfüllen.
Apples iPad Mini ist das meist verkaufte Tablet überhaupt. Offenbar hat der Konzern mit knapp acht Zoll die richtige Größe getroffen. Zwei von drei iPads werden Schätzungen zufolge in der Mini-Version verkauft.
Verkaufszahlen sind rückläufig
Und doch sind die Verkaufszahlen bei Apple zuletzt zurückgegangen, zum ersten Mal seit Einführung des iPads im Jahr 2010. Viele Konkurrenten waren in der Lage, ihre Tablets billiger und mit deutlich besseren Displays anzubieten, als es Apple mit dem iPad Mini gelungen ist.
Ein Makel, den Apple nun behoben hat. Das iPad Mini hat endlich ein Retina-Display bekommen und damit eine Auflösung, wie sie auch von Konkurrenten angeboten wird. Mit den nun vorgestellten neuen iPads dürfte der Konzern den Rückgang der Verkaufszahlen stoppen.
Diese Waffengleichheit aber bedeutet, dass die Technik weiter in den Hintergrund rückt. Nun geht es darum, Käufer vom Nutzen der Geräte zu überzeugen. Und hier ist Apple meilenweit im Vorteil.
Das gilt zum einen für das Marketing. Apple hebt nicht die Technik hervor, sondern das, was die Menschen damit anstellen. Mindestens genauso wichtig ist aber das Ökosystem, das der Konzern in den vergangenen Jahren aufgebaut hat.
Halbe Million Anwendungen
Der AppStore von Apple zählt fast eine halbe Million Anwendungen, die eigens für das iPad optimiert wurden. Im Android-Store Google Play sind es einige Zehntausend, schätzen die Marktforscher von Canalys. Viele der erfolgreichsten iPad-Apps gibt es im Google Play Store gar nicht oder eben nur für Smartphones.
Das dürfte Apple auch für die kommenden Jahre noch ein solides Geschäft sichern. Doch fraglich ist, ob Apple auf Dauer solide sein will. Der Konzern hatte in der Vergangenheit mit seinem verstorbenen Gründer Steve Jobs bei der Einführung von iPod, iPhone und iPad andere Maßstäbe angelegt, die er selbst mit "magisch" und "revolutionär" umschrieben hat.
Jobs-Nachfolger Tim Cook hat am Dienstagabend nichts Magisches oder Revolutionäres gezeigt. Dafür aber hat er iPads, MacBooks und Software präsentiert, die Apple weiterhin eine Zukunft als lukrativstes Elektronik-Unternehmen der Welt sichern. Die Revolution darf dann 2014 kommen.
- AUSWAHL
Die Auswahl an Tablets ist groß. Das iPad von Apple hat nach Angaben der US-Marktforschungsfirma IDC einen Marktanteil von etwa einem Drittel. Das übrige Feld teilt sich eine Vielzahl anderer Hersteller, deren Geräte fast alle mit Android laufen. Das Google-Betriebssystem hat einen Marktanteil von etwa 63 Prozent. Nur wenige Geräte laufen mit Windows von Microsoft. Die meisten Geräte verfügen über Bildschirme mit einem Durchmesser zwischen sieben und zehn Zoll. Besonders günstige Tablets sind ab etwa 100 Euro zu haben, die teuersten kosten etwa 1000 Euro.
- BETRIEBSSYSTEME
Die Stiftung Warentest bewertete die Funktionsfähigkeit von Android und dem Apple-System iOS als gut. Als Pluspunkt von iOS nannten die Tester die einfache Bedienung. Auch ist das Angebot an Anwendungen und an Medieninhalten für das iPad noch immer vergleichsweise groß. Android bietet Nutzern dafür mehr Freiheit. Videos, Musik oder andere Dateien können einfacher von anderen Rechnern auf Android-Tablets überspielt werden. Bei Apple braucht es hierzu Extra-Software. Microsoft überarbeitete sein Windows 8 nach Kritik an der Benutzerfreundlichkeit.
- LEISTUNG
Android-Geräte sind laut Stiftung Warentest eine ernstzunehmende Alternative zum iPad. Deren Handhabung ist demnach nicht weniger flüssig. Die Tester rieten jedoch vom Kauf von Billiggeräten von um die 150 Euro ab. Bei Geräten mit einer Vollversion des Microsoft-Betriebssystems Windows 8.1 können die gleichen Programme installiert werden wie auf jedem Windows-PC. Bei Windows RT, der abgespeckten Variante des Betriebssystem, sind wie bei Geräten mit iOS und Android spezielle Anwendungen nötig, sogenannte Apps.
- BILDSCHIRME
Apple bietet vom iPad 3 aufwärts hochauflösende Displays an, steht damit aber nicht alleine. Auch eine Reihe von Geräten mit Android und Windows hat solche Bildschirme. Hochauflösende Displays sind angenehm für die Augen. Dies kann beim Lesen und Ansehen von Filmen von Vorteil sein. Beim Vergleich der Stiftung Warentest hatten Billig-Tablets die schlechtesten Displays.
- INTERNET
Zu Hause surfen mit dem Tablet über das Drahtlos-Netzwerk ist Standard. Surfen unterwegs per Mobilfunk geht auf zwei Wegen: Zum einen gibt es Tablets mit eingebauten Mobilfunk-Modulen, in die eine SIM-Karte wie beim Handy gesteckt wird. Solche Geräte kosten meist mehr. Zum anderen können auch Smartphones zum Herstellen einer mobilen Internetverbindung genutzt werden und diese an das Tablet weiterreichen. Für den mobilen Internetzugang empfehlen sich Flatrate-Datentarife, die zum Festpreis pro Monat ein bestimmtes Datenvolumen zum schnellen Surfen bieten.
- MEDIEN
Apps für das iPad gibt es nur über den App-Store von Apple. Bei Android-Geräten können die Anwendungen neben dem Onlinekiosk Play von Google auch von anderen Quellen kommen. Musik und Videos können Nutzer auf Tabletcomputer von anderen Rechnern aus überspielen. Apple und Google versuchen jedoch, die Anwender an ihre eigenen Onlinekioske zu binden und ihnen dort Inhalte zu verkaufen.
- NOTEBOOK-ERSATZ
Tablets bieten heute eine Vielzahl von Funktionen und Arbeitsmöglichkeiten gerade Microsoft-Geräte, auf denen auch viele Programme für herkömmliche Computer installiert werden können. Das Fachmagazin c't" kam jüngst in einem Vergleich jedoch zu dem Schluss, dass Tablets mit Anstecktastatur nur mit Einschränkungen eine Alternative zu Notebooks sein können. Hauptkritikpunkt waren Abstriche bei der Ergonomie. AFP
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