Trauerfeier bei der Piusbruderschaft in Rom endet im Tumult
Rom/Berlin. Für den NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke gibt es auch knapp eine Woche nach seinem Tod in Italien noch immer kein Grab. Nach Tumulten bei einer Trauerfeier wurde der Leichnam am Mittwoch zu einem Militärflughafen in der Nähe von Rom gebracht. Im Gespräch ist, dass der frühere SS-Mann in Deutschland beigesetzt wird. Dazu gab es auch schon erste Kontakte zwischen Bundesregierung und italienischen Behörden. Die Stadtverwaltung von Priebkes Geburtsort Hennigsdorf in Brandenburg sieht dafür aber weiterhin keine Grundlage.
Nach Angaben der Bundesregierung gibt es nach wie vor keine offizielle Anfrage für eine Bestattung in Deutschland. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sprach jedoch von ersten "informellen Kontakten". Es gebe nach seiner Kenntnis keine Regel, die die Bestattung im Ausland verstorbener deutscher Staatsangehöriger verbiete, sagte der Sprecher. Er betonte zugleich, es sei aber nicht Aufgabe der Bundesregierung, bei der Suche nach einer Grabstätte Verantwortung zu übernehmen. Das sei Sache der Angehörigen. Brandenburgs Innenminister Ralf Holzschuher (SPD) sagte den "Potsdamer Neuesten Nachrichten", allenfalls käme ein anonymes Grab infrage. Ansonsten könne Priebkes Ruhestätte ein "Anziehungspunkt für Neonazis" werden.
Priebke war am Freitag im Alter von 100 Jahren in Rom gestorben, wo er nach der Verurteilung zu einer Haftstrafe wegen der Beteiligung an Kriegsverbrechen die letzten Jahre in Hausarrest verbracht hatte. Die erzkonservative Piusbruderschaft hatte eine Trauerfeier organisiert. Diese war jedoch abgebrochen worden, weil die Behörden einen größeren Aufmarsch von Rechtsradikalen befürchteten. Zuvor war es zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Rechtsradikalen gekommen, die Polizei musste mehrmals eingreifen und verhaftete zwei Beteiligte. Hunderte Menschen hatten gegen die Trauerfeier demonstriert. Sie wollten mit Fußtritten und Faustschlägen verhindern, dass der Sarg die Kapelle erreicht, und riefen bei der Ankunft "Mörder" und "Henker".
Der frühere SS-Offizier Priebke war 1944 an einem der schlimmsten Nazi-Massaker in Italien beteiligt, als 335 Zivilisten in der Nähe von Rom mit Genickschüssen getötet wurden. Priebke lebte lange Zeit unbehelligt in Argentinien, bis er 1995 ausgeliefert und in Italien zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Er zeigte bis zu seinem Tod keine Reue und lebte unter Hausarrest in Rom. "Rom kann kein Begräbnis eines Mannes akzeptieren, der aktiv an der Exekutierung von 335 Personen teilgenommen hat", sagte Bürgermeister Ignazio Marino. Auch Priebkes langjähriger Wohnort Bariloche in Argentinien lehnt eine Bestattung ab.
No hay comentarios:
Publicar un comentario