Post betrieb über Jahrzehnte ein Busnetz. Liberalisierung des Fernbus-Verkehrs bringt die gelben Fahrzeuge nun zurück
Der ADAC und die Deutsche Post wollen künftig Fernbus-Strecken betreiben und damit der Bahn und den Fluggesellschaften im Inland scharfe Konkurrenz machen. Eine neue Gesellschaft, an der Automobilklub und Post jeweils die Hälfte der Anteile halten, soll ab Anfang 2014 mit deutschlandweiten Verbindungen an den Start gehen. "Unser Ziel ist ein flächendeckendes Fernbusnetz in Deutschland, das alle größeren Städte anbindet", hieß es beim ADAC. "Wir wollen die Chancen der Liberalisierung des Fernbus-Marktes nutzen und attraktive Alternativen zu Bahn und Flugzeug bieten."
Im Wettbewerb der Verkehrsmittel werde "auch der Preis ausschlaggebend" sein, sagte ein ADAC-Sprecher. Details zu Verbindungen und Takten würden derzeit ausgearbeitet. Nach "Welt"-Informationen sollen mittelfristig fast alle Städte über 150.000 Einwohner an das neue "gelbe Netz" angebunden werden, zudem sollen Knoten mit Umsteigemöglichkeiten entstehen. Um die 50 Städte könnten letztlich verbunden werden.
Fahrkarten und Service soll es unter anderem in den zahlreichen Filialen von Post und ADAC geben. Der Automobilklub will darüber hinaus auf seinen großen Bekanntheitsgrad aufbauen. Der Club hat knapp 18,4 Millionen Mitglieder. "Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, im zweiten Halbjahr kommenden Jahres haben wir weitere Details", so der Sprecher. Der Automobilklub und die Deutsche Post würden über langjährige Erfahrung im Mobilitätsgeschäft verfügen, die Kunden könnten künftig auf ein engmaschiges Netz der Filialen zurückgreifen. Der Anstoß für das Projekt kam von der Deutschen Post. Diese betrieb, bekannt unter dem Namen "Kraftpost", einst schon Busse, bevor sie diese ab den 70er-Jahren nach und nach in die Hände der Deutschen Bahn legte. Durch die Liberalisierung des Fernbus-Marktes war beim Bonner Konzern aber das Interesse am Busgeschäft zurückgekehrt. Als Experten für die Auto- bzw. Bussparte habe der ADAC als Partner nahe gelegen, hieß es.
"Die Zeit ist reif für eine preisgünstige, sichere und komfortable Mobilitätsalternative", sagte Jürgen Gerdes, Konzernvorstand Brief bei Deutsche Post DHL. Der Vorsitzende der Geschäftsführung des ADAC, Karl Obermair, bezeichnet die Liberalisierung des deutschen Fernbusmarktes als eine der wichtigsten Zäsuren im Verkehr, die es in den vergangenen Jahren gegeben habe.
Die gelben Busse waren in der Bundesrepublik lange ein Verkehrsmittel für Millionen Menschen. Auch mit Beginn des Ausstiegs der Post beim Busreisedienst stiegen die Passagierzahlen weiter an. 1974 gab es mit 435 Millionen Fahrgästen das höchste Passagieraufkommen in den 80 Jahren des Bestehens der Postbusgesellschaft. Mit der Postreform 1995 endete die Ära der gelben Busse in Deutschland, die zehn Jahre zuvor mit der Übergabe der letzten gelben Postomnibusse für die Öffentlichkeit sichtbar zu Ende gegangen war. Die letzten von der Bundespost in den 80er-Jahren beschafften Fahrzeuge waren noch bis in die 90er-Jahre bei den Nachfolgefirmen im Einsatz. Postbusse gibt es bis heute in Österreich und der Schweiz.
Wo die neue Gesellschaft von ADAC und Post ihren Sitz haben wird, ist noch nicht klar, genauso wenig wie die Marke, unter der die neuen Busse fahren werden. "Gehen Sie davon aus, dass auch diese Busse gelb sein werden und den Schriftzug der Post und des ADAC gut sichtbar tragen", heißt es von einem Projektbeteiligten gegenüber der "Welt". Rund 200 bis 500 Busse sollen angeschafft werden, das Investitionsvolumen für das Fernbus-Projekt liegt für den ADAC und die Post bei einem mittleren zweistelligen Millionenbereich.
Mit Wirkung zum 1. Januar 2013 hat die Bundesregierung vor zwei Monaten eine Liberalisierung des deutschen Fernbusmarktes beschlossen. Private Anbieter dürfen künftig im gesamten Bundesgebiet Linienverbindungen zwischen Städten mit Bussen anbieten. Bislang durften Fernbusse grundsätzlich nur auf Strecken eingesetzt werden, die nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar waren. Eine ganze Zahl von Busbetreibern läuft sich derzeit ebenfalls warm für die neue Zeit der Freiheit im Fernbusgeschäft. Darunter sind mehrere Start-ups in Deutschland und größere Anbieter, aber auch ausländische Reisekonzerne. Die Beschränkungen für das Fernbusgeschäft war in den 30er-Jahren erlassen worden, um die Bahn vor Konkurrenz zu schützen.
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