Deutschland erlebt als Produktionsstandort eine Renaissance. Die Zahl der Verlagerungen in Billiglohnländer ist zwischen Mitte 2010 und Mitte 2012 auf einen neuen Tiefstand gesunken. Gerade noch acht Prozent der heimischen Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe haben in diesen zwei Jahren eine Fertigung im Ausland aufgebaut. Das zeigt eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung und der Hochschule Karlsruhe im Auftrag des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI). Mitte der 90er-Jahre lag die Zahl noch bei mehr als 25 Prozent. "Der Produktionsstandort Deutschland wird von den deutschen Unternehmen heute stärker als Wettbewerbsvorteil begriffen", sagt Steffen Kinkel, Autor der Studie und Professor an der Hochschule Karlsruhe.
Rund 400 Firmen kommen mit ihrer Fertigung jedes Jahr sogar zurück nach Deutschland. "Auf jeden vierten Verlagerer kommt bereits ein Rückverlagerer", sagt VDI-Präsident Bruno Braun. "Made in Germany schlägt Low Cost", lautet daher sein Fazit. Namen von Unternehmen wollte Braun allerdings nicht nennen. Die 1600 befragten Firmen bestünden auf Diskretion, weil sie Angst hätten, dass ihnen die Rückkehr als Managementfehler angelastet werde. Neben kleineren Mittelständlern seien darunter aber durchaus auch größere und namhafte Unternehmen. Bekannte Beispiele aus der Vergangenheit sind der Stofftierhersteller Steiff, dessen Teddybären in China nicht die gewünschte Qualität erreicht haben, und der schwäbische Kettensägenanbieter Stihl, der sich aus Brasilien zurückgezogen hat.
Hauptgründe für die Rückverlagerungen sind zum einen Qualitätsprobleme und zum anderen die mangelnde Flexibilität, insbesondere bei Standorten in Asien. "Bei Transportzeiten von acht Wochen kann man auf kurzfristige Trends nicht reagieren", sagt Kinkel. Noch dazu erweisen sich die erhofften Kostenvorteile durch eine Verlagerung in Billiglohnländer drei von vier Unternehmen geben dieses Motiv für ihre Abwanderung an oftmals als Trugschluss. "Die Personalkosten in der Produktion machen im verarbeitenden Gewerbe in der Regel nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten eines Produktes aus", weiß Kinkel. Der Experte schätzt diesen Anteil auf rund elf Prozent.
Aktuell produzieren rund 13 Prozent der verarbeitenden Betriebe aus Deutschland auch jenseits der Grenze. Der VDI schätzt den Anteil der Auslandskapazitäten am gesamten Fertigungsvolumen der heimischen Industriebetriebe auf rund 20 Prozent. Das entspricht einem Bruttoproduktionswert von rund 364 Milliarden Euro. Hauptzielländer sind die EU-Staaten in Osteuropa, gefolgt von China und Ländern in Südostasien.
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