viernes, 21 de diciembre de 2012

Deutschland ist nicht arm - DIE WELT

Der Paritätische Wohlfahrtsverband präsentiert kurz vor Weihnachten eine erschütternde Botschaft: Noch nie gab es im wiedervereinigten Deutschland mehr Arme als heute. Nicht nur im Osten sieht es düster aus. Auch Bundesländer wie Bremen, Berlin oder Nordrhein-Westfalen stuft der Sozialverband als Problemregionen ein. Von gefährlichen Abwärtsspiralen ist die Rede, von einer Amerikanisierung des Arbeitsmarkts, weil immer mehr Menschen heutzutage zu Billiglöhnen beschäftigt würden.

Ist Deutschland binnen weniger Jahre zum Unsozialstaat geworden? Gemach. Der Armutsatlas des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes zeigt keineswegs eine verlässliche Karte des hiesigen Wohlstands. Wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügt, hat nach Ansicht der Soziallobbyisten die Schwelle zur Bedürftigkeit überschritten. Da der Verband die gleiche Einkommenshöhe für München wie für Dessau oder Recklinghausen als Maßstab für Armut ansetzt, fällt in strukturschwachen Regionen ganz automatisch ein großer Teil der Bevölkerung in den Problembereich. Bei diesem relativen Armutsbegriff nimmt überdies die Bedürftigkeit zu, wenn in Boomregionen die Löhne überproportional stark anziehen.

Zweifelsohne gibt es in Deutschland Menschen, die in sozialer Not leben. Vor allem Langzeitarbeitslose, Alleinerziehende mit ihren Kindern sowie Migranten gehören zu den Gruppen mit einem erhöhten Risiko. Wer jedoch einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgeht, ist nur in den seltensten Fällen bedürftig. Vor allem aber sind gut ausgebildete Personen in aller Regel gut vor einem dauerhaften sozialen Abstieg geschützt. Die seit 2005 deutlich gesunkene Zahl an Hartz-IV-Empfängern ist ein eindeutiges und objektives Indiz dafür, dass die Gesellschaft auf einem guten Weg ist – und keineswegs zerfällt.

Doch der Paritätische Wohlfahrtsverband will schlicht nicht wahrhaben, dass der Job-Boom der vergangenen Jahre seine Klientel erheblich hat schrumpfen lassen. Dass die Sozialindustrie trotz einer abnehmenden Zahl an Fürsorgeempfängern stetig wächst, zeigt, dass auch dieser Wirtschaftszweig Dynamik zum Ziel hat. Und die Empfehlungen für flächendeckende Mindestlöhne, Mindestrenten und höhere Hartz-IV-Sätze beweist, dass die Sozialtechnokraten wissen, welche Instrumente diesen Zielen am besten dienen. Sie fordern, die weltweit beklatschten Arbeitsmarktreformen ebenso zurückzudrehen wie die Maßnahmen zur Stabilisierung der Sozialabgaben. Im Klartext: zurück in die Zeit, als Deutschland fünf Millionen Arbeitslose zählte.

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